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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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61. Allgen). Ueberblick über die röm. Kriegsgesell, von Augustus bis 476 n. Chr. 387

Hatte er bis dahin seine kriegerischen Fähigkeiten und seine Feld-herrnkunst als Waffe zur Erlangung seiner ehrgeizigen Ziele gebraucht,indem er Bürgerkriege zum Schaden des Staates anstiftete, so machte erdies jetzt wieder vollkommen gut, indem er sie zum Schutz und zurEettung des Weströmischen Reiches vor dem dreifachen furchtbaren Ein-fall der Hunnen unter Attila in Gallien und Italien anwendete. Bei dieserGelegenheit verdienen seine politischen und kriegerischen Maassnahmenvolle Anerkennung, und erwarb er sich mit Recht den reinen Ruhm einesBeschützers und Erretters des westlichen Reiches. In eigentlich kriege-rischer Hinsicht verdienen seine Thaten gegen Attila in Gallien bei Aure-lianum, auf den catalaunischen Feldern und am Rhein, wie in Italien inden Apenninen besondere Beachtung. Anstatt aber seine Verdienstedankbar anzuerkennen, erniedrigte der unfähige und unwürdige Valen-tinian III. im J. 454 sich bis zur eigenhändigen Ermordung des Aetius inden Gemächern des kaiserlichen Palastes, um sich von seinem Einflüssefrei zu machen und allein und selbständig zu herrschen. Auf diese Weisekam der verdienstvolle Aetius um's Leben, nachdem er fast 30 Jahre dieStaats- und Kriegsanlegenheiten des westlichen Reiches geführt, es dreiMal vor Attila gerettet, und sich dadurch die allgemeine Achtung (dieValentinian's ausgenommen; und Anerkennung erworben hatte, in derGeschichte der letzte Römer genannt.

R i c i m e r, auch R e c i m e r oder R e t i m e r, der Sohn eines Sueven-Fürsten in Hispanien und der Tochter des westgothischen Königs Wallia,zeichnete sich von früher Jugend an durch Tapferkeit und Anlagen aus,hatte sich unter den Barbarenführern der römischen Hülfstruppen hervor-gethan, und wurde nach des Aetius Tode zum Oberbefehlshaber allerTruppen ernannt. Nach der Plünderung Roms durch Genserich, denVandalenkönig, im J. 455, und Besteigung des leerstehenden Weströmi-schen Thrones durch Avitus, den Präfekten von Rom, welchen die West-gothen und deren König Theodorich II. erhoben hatten, verweigerte Ri-cimer diesem den Gehorsam. Avitus entsagte dem Throne und starbbald danach, und 5V 2 Monat lang (16. October 456 bis 1. April 457) be-fand die oberste Gewalt im Weströmischen Reiche sich in Ricimer'sHänden. Wenn er sich zum Soldatenkönig von Italien erklärt hätte, sohätte das Weströmische Reich schon jetzt zu existiren aufgehört. Er ver-längerte aber noch dessen Bestehen, da er, gleich Stilicho und Aetiusfand, dass es angenehm für ihn sei, dessen Geschäfte zu leiten und aufdie darin lebenden Barbaren Einfluss auszuüben im Namen seines vonihm zum Kaiser gemachten Freundes Majorianus. Der Kaiser desOrients, Marcianus, bestätigte seine Wahl und verlieh dem Ricimer denRang eines Patriciers. Demnächst beschlossen beide Kaiser, Afrika denVandalen zu entreissen und es dem westlichen Reiche wieder einzuver-

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