61. Allgem. Ueberblick über die röm. Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 385
und wurde durch ihn zunächst mit einer Nichte des Kaisers, Serena, ver-mählt, vor seinem Tode aber noch zum Vormund des 11jährigen Sohnesdes Kaisers, Honorius, des weströmischen Kaisers, ernannt. Die Ver-wandtschaft mit dem regierenden Hause vermehrte seinen Ehrgeiz, undnachdem Theodosius gestorben, beschloss er den Vormund des Arcadius,den Gallier Rufinus, zu stürzen, um im Namen der Söhne Theodosius' inbeiden Reichen selbständig zu regieren. Rufinus hegte seinerseits die-selbe Absicht, die Folge davon war ein Bürgerkrieg, welcher für beideReiche verderblich wurde. Durch die Ränke Stilicho's fiel Rufinus; dessenNachfolger aber, Eutropius, von einem römischen Feldherrn, dem GothenGainas, unterstützt, reizte den Führer der Westgothen, Alarich, gegenStilicho auf, welcher in den Heeren und Kriegen des Theodosius die rö-mische Kriegskunst erlernt hatte. Alarich machte sich die feindlichenBeziehungen zwischen beiden Reichen zu Nutze und fiel in Italien ein,nach der Schlacht aber bei Polentia (in Riemont) und Verona (403) zog eraus Italien ab, schloss mit Stilicho Frieden und ward von diesem zumKriege gegen das Oströmische Reich aufgestachelt. In dem folgendenJahre (404) fielen die Vandalen, Sueven und Burgunder in Gallien ein,die Truppen in Britannien empörten sich und riefen den Usurpator Con-stantinus zum Kaiser aus, welcher sich der ganzen gallischen Präfekturbemächtigt hatte. Die Feinde Stilicho's an des Honorius Hofe benutztendiese Umstände, um den Stilicho sowohl dieserwegen, als eines geheimenEinverständnisses mit Alarich anzuklagen, da Stilicho die Absicht habensollte, seinen Sohn auf den Oströmischen Thron zu setzen. Der schwacheHonorius, uneingedenk der Verdienste Stilicho's, der zwei Mal das West-römische Reich gerettet hatte, Hess ihn zu Ravenna (408) umbringen undberaubte dadurch sein Reich der festen Stutze und des Schutzes, welchees an dem fähigen und geschickten, wenn auch ehrgeizigen FeldherrnStilicho gehabt hatte Die Kriegsthaten des Letzteren im J. 396 imPeloponnes gegen Alarich und die Westgothen, 398 in Afrika gegenGildo, 403 in Norditalien gegen Alarich, und 405 ebendaselbst gegenRadagais und die Germanen lassen durch ihre Kunst den Stilicho als aus-gezeichneten Feldherrn erkennen und tragen ihm einen um so grösserenRuhm ein, als sie zwei Mal das Weströmische Reich aus grosser Gefahrerretteten. Man muss anerkennen, dass er grosse Energie und ungewöhn-liche Gaben besass, in kriegerischer wie bürgerlicher Beziehung, unddass seine dem Staate geleisteten Dienste wichtig und augenschein-lich sind, während die verbrecherische Absicht, deren er bezüchtigtwurde, unerwiesen und unwahrscheinlich ist.
Aetius, ein Römer von Geburt, wurde zu Ende des 4. Jahrb.. ge-boren und war der Sohn eines gemeinen römischen Soldaten. In seinerJugend befand er sich als Geisel bei den Gothen und Hunnen und wurde
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 5. 25