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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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384 IV. Von Augusttis bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

sehen Namen nach aussen bei den Barbaren in Europa, Asien und Africawieder her und bewies auch in seinem Privatleben und bei persönlichenBeleidigungen weit mehr Selbstbeherrschung und Seelen grosse., als manzu jener Zeit bei den römischen Kaisern zu finden gewohnt war. Fürseinen ungewöhnlichen Eifer für die Kirche und sein rechtgläubiges Be-kenntniss erntete er einstimmiges und grosses Lob von Seiten der christ-lichen Schriftsteller, der weltlichen wie besonders der kirchlichen.Einige treten dem nicht bei, sondern behaupten, dass Theodosius zuerstder Geistlichkeit zu grosse Macht und Einfluss auf sich selbst eingeräumt,und, während er das Heidenthum verfolgte, verhältnissmässig weit nach-sichtiger gegen das Judenthum gewesen sei u. s. w. Das ist aber Alleseinseitig und unrichtig aufgefasst. Uebrigens rechnet man in politi-scher Beziehung ihm mit Recht zum Fehler an, dass er, nach Herstellungder Einheit des Reiches, vor seinem Tode diese auf's Neue zerriss undzwar für immer, indem er das Reich in ein westliches und ein östlichestheilte, die er seinen beiden Söhnen gab, von welchen der Eine 18, derAndere sogar erst 12 Jahre alt war, und welche ausserdem, unfähig undschlecht erzogen, unter der Vormundschaft schlauer, ränkesüchtiger undehrgeiziger Barbaren, eines Stilicho und Rufinus, standen. Und dies ge-schah binnen weniger als 4 Monaten nach Absetzung des Eugenius: am17. Januar 395 starb Theodosius zu Constantinopel (an einer Krankheit,deren Keim er schon in sich getragen hatte, und die sich dann in Folgedes letzten Feldzuges 394 rasch entwickelte), 50 Jahre alt und im15. Jahre seiner ruhmreichen Regierung.

§. 424.Stilieho, Aetius und Bieimer.

Nach dem Tode Theodosius d. Gr. traten als hauptsächliche undbemerkenswertheste politische und kriegerische Führer in beiden römi-schen Reichen, bis zum Untergange des Weströmischen, nicht mehr rö-mische Kaiser auf, welche grösstentheils unfähig, unwürdig, oder unbe-deutend sind, sondern vielmehr deren erste Minister und Feldherren, diein ihrem Namen regieren, oder besonders hervorragende Führer barba-rischer Völker. Unter den Ersteren verdienen Stilicho, Aetius, Ri-eimer, Odoaker, unter den Letzteren A1 arich und Attila be-sonders genannt zu werden.

Stilicho oder Stiliko, von Geburt Vandale, Sohn eines Feldherrndes Kaisers Valens, hatte durch seine Fähigkeiten sich allmälig zu demhöchsten militärischen Range eines magister utriusque exercitus empor-geschwungen und an allen Kriegen und Feldzügen Theodosius d. Gr.Theil genommen. Er hatte sich in des Letzteren Vertrauen eingeschlichen