382 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
war, und, von den Persern gedrängt und verfolgt, selbst im Kampfegegen sie fiel, obgleich er sowohl, wie die von ihm geführten Truppenaussergewöhnlichen Muth, Standhaftigkeit, Ausdauer und Tapferkeitentwickelten. Im Allgemeinen war Julian in kriegerischer Beziehungals Feldherr nach jeder Richtung hin würdig, eine hervorragende Stelleunter den ausgezeichnetsten Heerführern des Alterthums einzunehmen.
Die Urtheile über ihn als Mensch und Herrscher gingen im Alter-thume, wie noch jetzt, sehr weit auseinander. Während die Einen seineaussergewöhnlichen Gaben und Fähigkeiten, seine Bildung, seinen hohenGeist, Mässigung und Enthaltsamkeit, Umsicht, richtiges Urtheil offenhervorhoben, warfen ihm Andere Leichtsinn, Unbeständigkeit, Wunder-lichkeit , Aberglauben, Ehrgeiz, Sophisterei und falsches Urtheil voru. s. w. Es kann sein, dass dies daher kam, weil wirklich in seinemCharakter viele Gegensätze und so viel gute und schlechte Eigenschaftenlagen, dass er leicht ebenso zu loben wie zu tadeln, ohne der Wahr-heit Eintrag zu thun, und dass alle die erwähnten Charakterzüge in einerspöttischen, sophistischen Gleichgültigkeit und Verstellung wurzelten.Von seinen vielen Werken sind uns Reden, Gedichte und Satyren erhal-ten geblieben, welche von Begabung. Verstand, Lebhaftigkeit und Leich-tigkeit der Darstellung neben einer gewissen Weitschweifigkeit zeigen,zugleich aber auch den Einfluss des verderbten Geschmackes seiner Zeittragen, und statt wahrer Schönheit der Diction mehr rhetorische Decla-mation, statt tiefer Gedanken nur Antithesen und Gegensätze. statt gei-stiger Schärfe ein Spiel mit Worten enthalten.
§. 445.Theodosius der Grosse.
Flavius Theodosius, ein Nachkomme Trajan's, wurde im J.345 zu Cauca in Nord-Hispanien (heutiges Gallizien) geboren, Sohn descomes oder Grafen Theodosius, welcher im J. 376. zu Anfang der Regie-rung Gratian's, auf Grund von Verläumdungen, welche die Freunde Gra-tian's aussprengten, hingerichtet wurde. Sein Sohn Theodosius, 31 Jahrealt, von Jugend auf im Kriegsdienste und bereits in allem Kriegswesensehr erfahren, trat nach der Hinrichtung seines Vaters aus dem Diensteund zog sich in's Privatleben auf seine Familienbesitzung in Hispanien(unweit des heutigen Valladolid) zurück. Drei Jahre später aber riefGratian ihn, 379, an seinen Hof, ernannte ihn zum Augustus und zumRegenten des Orients, um zunächst diesen von den dort eingedrungenenBarbaren zu säubern. Gratian that dies nicht sowohl aus Reue über dieTödtung des Vaters Theodosius', als vielmehr, weil Theodosius im Heeregrosses Ansehen genoss und weil die gefährliche Lage des von den Bar-