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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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Ol. Allgem. Ueberblick über die rüm. Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 381

entsprechend gehandelt hätte. Leider aber hatte das ihm in seiner Jugendwiderfahrene Unglück ihn auf einen ganz falschen Weg geleitet, und, inder christlichen Wahrheit erzogen, wendete er sich von derselben ab undwurde ein eifriger Heide. In Folge dessen nimmt sein ganzes Weseneine gewisse unnatürliche Gestalt an und tragen sein ganzes Leben wieseine Handlungen den Stempel einer gewissen Eitelkeit und Leere, sodass es nur zu bedauern bleibt, dass ein Mann von solchem Verständesich zur Leidenschaft für die Unsinnigkeiten des Heidenthums hinreissenHess, an welche zu glauben er sich selbst gewaltsam zwingen musste,und an welche die Besseren unter den Heiden jener Zeit schon nichtmehr glaubten.') Auch nachdem er Cäsar geworden, verbarg er nochseine Abneigung gegen das Christenthum; als ihn aber seine Truppenzum Augustus ausgerufen und seine Beziehungen zu Constantius sichfeindlich gestaltet hatten, im J. 360, erklärte er sich offen zum Heidenund war von diesem Augenblicke an bis zu seinem Tode im J. 363 einerder grausamsten Verfolger des Christenthums. Und wenn er im J. 363nicht gestorben wäre, so würde er das Opfer seines unbesonnenen, hefti-gen und bemitleidenswerthen Widerstandes gegen das Christenthum ge-worden sein, welches mit übermenschlicher Gewalt schon die ganzeWelt, oder wenigstens die römische Welt ergriffen hatte.

Uebrigens muss man ihm als Herrscher und Feldherr volle undwohlverdiente Gerechtigkeit gewähren. In beiden Hinsichten zeigte erviel Weisheit, Begabung, Kunst und vortreifliche Eigenschaften, durchwelche er sich die Liebe seiner Unterthanen im Allgemeinen und desHeeres im Besondern erwarb, und dem Staate in kriegerischer Beziehungeben so viele Dienste leistete, wie in politischer und bürgerlicher. We-der durch bezügliches Studium, noch durch Dienstleistung in den niede-ren Graden zum Feldherrnamte vorbereitet, trat er mit einem Schlage indie Reihe der besten und geschicktesten Heerführer, sich in sehr kurzerZeit durch Kriegsstudien und praktische Kriegserfahrung ausbildend.Seine vier ersten Feldzüge in Gallien, am Rhein und in Germanien wa-ren vortrefflich und sehr bemerkenswerth; sie trugen ihm mit einemMale den vollkommen verdienten Ruhm eines ausgezeichneten Feldherrnein. Seine folgenden Campagnen, bis zur persischen einschliesslich,sind gleichfalls aller Beachtung und Anerkennung werth, die persischenamentlich, wegen des geschickten Entwurfes und der nicht mindergeschickten Ausführung, bis zum Uebergange über den Tigris. Danachaber brachte eine verhängnissvolle Fügung den Julian in solche verzwei-felte Lage, dass er seine Flotte verbrannte, zu einem schwierigen undgefahrvollen Marsche am linken Ufer des Tigris stromauf gezwungen

-] Lorentz, Handbuch der Allgem. Geschichte. IL 1.