380 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
tius umgebracht. Das gleiche Schicksal drohte auch dem Juliau, undnur der Fürsprache der Kaiserin Eusebia verdankte er sein Leben; nach7monatlichem Aufenthalte am Hofe zu Mediolanum wurde ihm sogar ge-stattet, nach Athen zu geheu. zu seiner weiteren Ausbildung. Hierbrachte er 6 Jahre zu (348—354, von seinem 17. bis 23. Jahrei denschönen Wissenschaften und der Philosophie bei den besten Lehrernjener Zeit, namentlich bei dem Sophisten Libanios obliegend. DieseZeit erachtete er für die glücklichste seines Lebens, und wenn Etwassein Glück störte, so war es nur die ihm verhassteNothwendigkeit, seineAbneigung vom Christenthum und Hinneigung zum Heidenthum zu ver-bergen. Aber, wie Einige richtig bemerkeu. trotz seiner aussergewöhn-lichen Anlagen hatte er. wie es scheint. doch nicht genug Urtheilskraft.um sich über die groben Irrthümer der heidnischen Lehrer zu erheben.Wenigstens ist es bekannt, dass er an die Astrologie, an die Wahrsage-kunst, an die Kunst, irgend welche vermittelnde Geister zu seinen Gun-sten zu stimmen und durch sie die Zukunft zu erfahren, wie an anderedem ähnliche heidnische Ungereimtheiten glaubte. Unter seinen gleich-altrigen Studiengenossen zu Athen befanden sich u. A. die später so be-rühmten Bischöfe und Kirchenlehrer Basilius d. Gr. und Gregorius vonNazianz (der Theolog genannt) , aber, wie verschieden waren die Wege,welche sie gingen, und die Ziele, welche sie anstrebten! Nach Verlaufvon sechs Jahren, im J. 355, rief Constantius den Julian nach Mediola-num, denn er fühlte, dass er allein zu regieren nicht die Kraft habe, umso mehr, da die Perser im Orient, die Germanen an Donau und Rheindrohten; seine Gemahlin Eusebia bewog ihn, seine Schwester Helenamit Julian zu vermählen, ihn zum Cäsar und zum Regenten der west-lichen Provinzen: Gallien, Britannien und Hispanien zu ernennen. Erwurde in feierlicher Versammlung zu Mediolanum, Angesichts der Trup-pen, mit dieser Würde bekleidet. Die Letzteren nahmen den noch etwasschüchternen und befangenen jugendlichen Cäsar mit offenem Mitgefühlauf, und als Constantius seine lange und wohlgelungene Rede bei dieserGelegenheit beendete, gaben die Krieger durch lebhaftes Schlagen derSchwerter an die Schilde ihrer Zufriedenheit und Billigung der Ernen-nung Julian's zum Cäsar Ausdruck.
Auf solche Weise plötzlich aus dem Privatleben in die Laufbahnstaatsmännischer Thätigkeit, von dem Studium zu den Waffen gerufen,entwickelte Julian sich während der folgenden neun Jahre (355—363)zu einer der interessantesten Persönlichkeiten in der Geschichte der rö-mischen Imperatoren. Betrachtet man ihn ohne Leidenschaft und Vor-urtheil, so stellt er sich dar als ein Mensch von ungewöhnlicher Bega-bung . feuriger Phantasie und heftigen Leidenschaften. welcher grosseDinge hätte vollbringen können, wenn er seine Zeit begriffen und dem