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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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61. Allgem.Ueberblick über die rüm.Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n.Chr. 379

kriege. Noch war daher der Leichnam Corjstantin's in Constantinopel,wohin er aus Nicomedia gebracht worden, nicht beerdigt, als das Heerschon laut erklärte, dass nur die Söhne des verstorbenen Kaisers überdas Reich herrschen dürften. Die Brüder und Verwandten des Letzterenerwarteten zu Constantinopel die Ankunft des Constantius. von welchemsie Schutz und Sicherung der ihnen verliehenen Rechte erhofften. Con-stantius aber war zu schwach, um mit Ehren aus dieser schwierigen Lagehervorgehen zu können, und wenn er es nicht befahl, so liess er es dochzu, dass seine beiden Onkel, sechs Vettern und viele andere Verwandtedes kaiserlichen Hauses ermordet wurden, mit alleiniger Ausnahme der2 minderjährigen Söhne des Julius Constantius: des 12jährigen Gallusund des 6jährigen Juliauus (in der Folge Kaiser). Eine solche blutige,durchaus nicht christliche. sondern heidnische Todtenfeier wurde Dem-jenigen gehalten, der dem Christenthume im Reiche die Freiheit gegebenhatte, selber als Christ gestorben war, und der von der Kirche für heiligerklärt, von der Geschichte aber der Grosse genannt worden ist.

§. 444.Julian.

Flavius Claudius Julianus, Sohn des Julius Constantius, desBruders*) Constantin's d. Gr., und der Vasilissa, seiner zweiten Frau,der Tochter des Präfekten Julianus, wurde am 6. Novbr. 331 zu Con-stantinopel geboren. Bald nach dem Tode Constantin's des Gr. ent-ging er, kaum 6 Jahre alt, nebst seinem 12jährigen älteren Bruder Gal-lus , mit genauer Noth der allgemeinen Ermordung sämmtlicher Ver-wandten des verstorbenen Kaisers, mit Vorwissen und Einwilligung desBruders desselben Constantius. Gallus wurde verschont, weil er todt-krank lag, den Julianus verbarg der Bischof von Arethusa unterdem Altar. Später wurden Beide dem Bischof Eusebius von Nicome-dien zur Erziehung übergeben, welcher sie zum Christenthume erzogimd sie sogar zum geistlichen Stande von Kirchenvorlesern bestimmte,um sie vom Hofe zu entfernen und nach dieser Seite hin jede Gefahr zuvermeiden. Diese Erziehung war auf jeden von Beiden von sehr ver-schiedener Einwirkung. Gallus schwor das Christenthum nicht ab underntete dafür die Lobpreisungen der christlichen Schriftsteller. Juliandagegen ward durch die Verfolgungen aller seiner Verwandten, sowiedurch die Beengung und die Furcht, in welcher man ihn erzog, aufsTiefste und Lebhafteste ergriffen. Als Constantius den Gallus zum Cäsarund Statthalter von Syrien ernannte. liess dieser sich aus Rache in eineVerschwörung ein und wurde dafür im J. 354 auf Befehl des Constan-

*) N. A. des Vetters. Anmerk. d. Uebers.