376 IV.' Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
findlichen Christen den grössten Enthusiasmus hervorrief. Siegreichdurchzog er ganz Norditalien von Segusa (h. Susa) bis Verona, und vonVerona bis zur Tiber; und nachdem er auf dem rechten Tiberufer bei dermulvischen*) Brücke unweit Rom am 2. October 312 den Maxentius be-siegt hatte, zog er als Sieger in Rom ein, schmückte das Capitol mit demKreuze, befreite und begnadigte alle von Maxentius Eingekerkerten oderVertriebenen, und erregte durch eine ganze Reihe von Wohlthaten undweisen Regierungsmaassregeln allgemeines Entzücken, Dankbarkeit undAnhänglichkeit. Der Senat proclamirte ihn zum ersten oder oberstenAugustus, und Constantin ernannte den Licinius zum Cäsar und ver-mählte ihm seine Schwester Constantia, worauf Beide im J. 313 denChristen ganz dieselbe Freiheit ihrer Religionsübungen bewilligten, wieallen übrigen Andersgläubigen. Hierbei wurde den Christen alles, bisdahin ihnen fortgenommene, unbewegliche Eigenthum zurückgegebenund ein Verbot gegen deren Verfolgung, ja sogar gegen ihre Fernhal-tung von den öffentlichen Aemtern erlassen. Das war ein feierlicher Siegdes Christenthums über das Heidentkum. welches 3 Jahrb. hindurchjenes grausam und unerbittlich verfolgt hatte.
Bald wandten Constantin und Licinius sich gegen die Franken undden Mitregenten des Galerius, Maximin, welche Erstere in die nörd-lichen, Letzterer in die südlichen Provinzen eingefallen waren und die-selben verheerten. Dann führten sie selber einen Bürgerkrieg gegen ein-ander, in Folge des Hasses und der Feindschaft des Licinius gegen Con-stantin und der Verfolgung der Christen durch Ersteren. Von Constantinbei Cibalis, an dem Einfluss der Drau in die Donau, in Pannonien. am8. October 314 besiegt, brachte Licinius in Thracien ein neues Heer zu-sammen , schloss aber nach einer zweiten unentschiedenen Schlacht beiMardia Frieden und trat 5 Provinzen ab (315).
Während der folgenden 8 Jahre war Constantin ausschliesslich mitder Ordnung des Staates im Inneren und dem Schutze desselben nachaussen beschäftigt. Er schlug die Sarmaten und Gothen, welche inIllyrien eingedrungen waren, im J. 320 bei Campona, unweit des heutigenOfen, im J. 321 bei Bonnonia und 322 bei Margus, wo der GothenkönigRosimund fiel. Im J. 323 erhob sich Licinius zu neuem Kriege gegenConstantin, wurde aber im Juni 323 bei Adrianopel besiegt, seine Flottedurch einen Seesturm vernichtet. Constantin verfolgte den Licinius inKleinasien, schlug ihn abermals bei Chrysopolis, nahe Chalcedon, 324,und Hess ihn 325 nebst seinem Sohne Licinianus hinrichten, und da Ga-lerius wie Maximin schon vorher gestorben waren, so blieb er alleinigerKaiser des ganzen Reiches. Nach langjährigen Wirren und Unruhen
*) Oder milvischen Brücke (Ponte moUe,. - Anmerk. d. Uebers.