61. Allgem. Ueberblick über die röm. Kriegsgesch. von Angustus bis 476 n. Chr. 375
§. 443.Constantin der Grosse.
Constantin (Cajus Flavius Valerius Aurelius Claudius), Sohn desrömischen Kaisers Constantius Chlorus und seiner Frau Helena, wurdeam 28. Februar 274 in der Stadt Naissus in Mösien geboren. Als Diocle-tian den Constantius Chlorus jsum Cäsar ernannt hatte, nahm er dessen] 8jährigen Sohn, gleichsam als Bürgen, an seinen Hof, Hess ihm abereine sorgfältige Erziehung geben. Als Constantius Chlorus in Gallienund Britannien zu Felde lag, machte Constantin in der Stellung einesTribunen mit Diocletian seinen ersten Feldzug in Aegypten gegen denEmpörer Achilleus. Bald hatte er sich durch seine edle Haltung, seineKlugheit und Fähigkeiten, seine Bescheidenheit und maassvolles Ver-halten die allgemeine Liebe erworben. Aber gerade hierdurch zog ersich den Hass des Nachfolgers Diocletian's, Galerius, zu, welcher mehrals einmal ihn zu verderben trachtete, indem er ihn zu gefahrvollenKriegsunternehmungen gegen die Sarmaten und andere barbarischeVölker entsandte. Constantin war überall und immer siegreich, da eraber die unüberwindliche Abneigung des Galerius gegen sich bemerkte,so erbat und erhielt er von demselben die Erlaubniss, zu seinem Vater zureisen, um an dessen Kriegsoperationen in Britannien Theil zu nehmen.Aber kurz nach seinem Eintreffen daselbst starb sein Vater zu Eboracum(York) im Sommer 306, nachdem er den Constantin zu seinem Nachfolgerernannt hatte. Heer und Volk riefen Constantin zum Imperator aus,Galerius erkannte ihn jedoch nur als Cäsar an. Dessen unerachtet tratConstantin die Regierung von Gallien, Britannien und Hispanien an underöffnete seine ersten Kriegszüge gegen die Franken, welche den Rheinüberschritten hatten und Gallien verheerten. Er schlug sie, nahm ihrebeiden Fürsten gefangen und warf sie den wilden Thieren vor, um dieFranken und die übrigen Germanen für die Zukunft abzuschrecken. Diegeschlagenen Franken verfolgte er bis zum Rhein, verwüstete die er-oberten Länder und machte eine Menge Gefangene, welche gleichihren beiden Fürsten von den wilden Thieren zerrissenwurden. Dann sicherte er Gallien gegen Osten durch eine Reihe vonFestungen auf dem linken Rheinufer, eine Flotte auf diesem Flusse undeine stehende Brücke über denselben bei Colonia (Cöln).
Kurz danach zog er nach Italien gegen Maxentius und auf demMarsche dorthin, in Gallien, erblickte er die Erscheinung eines flam-menden Kreuzes am Himmel, Hess ein christliches labarum (Panier) auf-richten und weihete die Feldzeichen, Helme und Schilde in seinem Heeredurch das Kreuz, wodurch er bei den zahlreichen in seinem Heere be-