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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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37 2 IV. Von Angustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

am 17. September 284 bei Chalceclon den 39jährigen Diocletian zumKaiser aus, und seine erste Tbat war, dass er eigenhändig den Präfektender Garde, Arrius Aper, erstach, welcher der Ermordung des Nume-rianus beschuldigt war. Man erzählt sich, dass die Wahrsager dem Dio-cletian prophezeit hätten, er werde Kaiser werden, wenn er einen aperEber) tödte, und deshalb habe Diocletian viele Eber getödtet; als eraber den Arrius Aper erstach, habe Maximian (der von ihm zum Mit-regenten erwählt war) gesagt: »jetzt erfüllt sich die Prophezeiung.«Aber nach Aper musste er sich noch des Sohnes des Carus und Bruders-des Numerianus, Cariniis, entledigen, welcher über alle Truppen imWesten verfügte. Sie zogen Beide einander entgegen, im August 285kam es bei Margus in Mösien, nahe der Donau, zur Schlacht, und dasHeer Diocletian's, durch Krankheiten und viele Todesfälle geschwächt,von dem weiten Marsche aus Persien ermattet, ward von Carinus besiegt.Schon wollte Diocletian sich der Verzweiflung überlassen. Da wurdeCarinus von einem seiner Tribunen ermordet, und nun erkannte sein Heergleichfalls den Diocletian an, welcher jetzt ohne Nebenbuhler alleinigerKaiser blieb. Seine niedere Herkunft lässt der Annahme nicht Raum,dass er diejenige Erziehung und Bildung genossen, welche nicht alleinfür das Amt des Kaisers, sondern selbst für die höchsten kriegerischenStellen erforderlich waren. Da er dennoch die Letzteren erlangt hatte,so muss man ihm kriegerische Begabung zusprechen; mehrere aber be-haupteten, er verdanke alle seine Erfolge dem rohen und grausamen,aber befähigten und tapferen Maximianus, mit welchem er immer be-freundet war. Die Historiker sagen, er habe keinen unternehmendenheroischen Geist gehabt, dafür aber andere, wenn auch nicht glänzende,so doch in Bezug auf die Regierung des Staates erspriesslichere Gabenbesessen: Festigkeit der Seele, gestärkt durch Erfahrung und Menschen-kenntniss, Gradheit und Scharfblick in allen Dingen, eine verständigeMischung von Sparsamkeit und Freigebigkeit, von Nachsicht und Strenge,eine tiefe Verstellung, aber unter der Maske der Offenheit und Jovialitätdes Kriegers, Beständigkeit in Verfolgung des Zieles, Leichtigkeit undGewandheit im Auffinden von Mitteln, besonders aber die grosse Kunst,seine und Anderer Leidenschaften den Interessen seines Ehrgeizes dienst-bar zu machen und diesen Ehrgeiz unter dem Schein der Rechtlichkeitund der Sorge für das allgemeine Beste zu verbergen. Aus diesen Eigen-schaften erklären sich auch die ersten Schritte Diocletian's nach seinerThronbesteigung: 1) sein Bestreben, den Hass gegen seine Feinde undgegen die Anhänger seiner Vorgänger, welche die höchsten Staatsämterbekleideten, nur aus Rücksicht auf ihren Nutzen für den Staat zu ver-bergen, und 2) die von ihm vollzogene Ernennung seines Freundes Ma-ximianus, zum Mitregenten, zunächst als Cäsar, dann als Augustus, nicht