61. Allgem. Ueberblick über die röm. Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 371
Marcomannen um Frieden; sie erhielten ihn und gaben an 113,000 römi-sche Gefangene zurück. Nun beschäftigte Marc Aurel sich angelegent-lich mit der Staatswohlfahrt und reiste bald danach nach dem Orient,um einen Aufstand seines Statthalters in Syrien, Avidius Cassius. zudämpfen. Aber noch vor seiner Ankunft daselbst wurde Avidius Cassiusvon seinen eignen Anhängern ermordet, und Marc Aurel brachte durchgrösste Milde die Theilnehmer an jenem Aufstande zum Gehorsam zu-rück. Kaum aber nach Rom zurückgekehrt, war er gleich wiedergenöthigt, sich gegen die Marcomannen und andere Barbaren zuwenden, welche über die Donau hereinbrachen. Seine Feldherren Perti-nax und Quinctilius operirten erfolgreich in Illyrien, Paternus besiegtedie Marcomannen (178). Marc Aurel befand sich stets bei der Armee imFelde, leitete die Operationen und trug durch seine geschickten Anord-nungen und persönliche Tapferkeit wesentlich zu den Siegen über dieBarbaren bei. Als er sich zum dritten Feldzuge gegen die Mareomannenanschickte, starb er am 11. März 180 zu Vindobona (Wienl an der Donaudurch die Pest, im 59. Lebensjahre, dem 19. seiner Regierung. Er wareiner der besten römischen Kaiser und Feldherren, der letzte von denweisen und wohlthätigen Antoninen, deren goldenes Zeitalter für Rommit seinem Tode ein Ende nahm. Dennoch hatten aber weder seine an-geborene Seelengrösse, noch seine Philosophie ihn von der Verfolgungder Christen im Reiche abgehalten, welche übrigens nur dazu beitrug,die Zahl der Christen im Heere und Volke zu vermehren.
§• 442.Diooletian.
Marcus Valerius Diocletianus*) (lateinisch) oder richtigerDioclitian (griechisch , da er im Orient lebte und starb) wurde 245 ge-boren. Sein früherer Name warDokles oder Diokles, wahrschein-lich von der Stadt Dioclea in Dalmatien entnommen, von wo seine Mutterherstammte. Sein Vater war Schreiber [scriba) , ein Freigelassener.Günstige Prophezeiungen und mehr als Alles die eigne Neigung bewo-gen ihn, als gemeiner Soldat in den Kriegsdienst einzutreten. Durchseine Fähigkeiten, Eifer, Tapferkeitsich auszeichnend, erlangte er diehöchsten Kriegschargen, wurde Statthalter von Mösien, Consul und end-lich Befehlshaber der Garde [regem domesticorum) bei dem Kaiser Carusund dessen Sohne Numerianus. Nach des Letzteren Tode rief dieArmee desselben auf dem Rückmarsche aus dem persischen Feldzuge
*) N. A. Cnjus Aurelius Diocletianus. Anmerk. d. Uebers.
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