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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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61. Allgem. Ueberblick über die röm. Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 367

zu lindern und den davon Betroffenen zu helfen. Leider war seine Re-gierung keine lange; im J. 81, als er eine Reise in das Sabiner Landunternehmen wollte, erlag er einem tödtlichen hitzigen Fieber und starbin demselben Landhause, wo auch sein Vater gestorben war, 41 Jahrealt, nachdem er 1 Jahr und 9 Monate regiert hatte; er hinterliess keineKinder oder Nachkommen. Von den Römern, welche gewöhnlich ihrenKaisern nicht volle Gerechtigkeit und Ehre erwiesen, wurde er auf-richtig betrauert. Als Kaiser muss man ihn unbedingt mit Trajan undden Antoninen auf gleiche Stufe stellen, jedenfalls aber ihn zu den bestenrömischen Kaisern zählen, in kriegerischer Hinsicht aber zu den vorzüg-lichsten römischen Feldherrn.

§. 440.Tr aj an.

Marcus Ulpius Trajanus, der Sohn eines vortrefflichen Feld-herrn Vespasian's, Trajanus, wurde in Hispanien geboren, begleiteteschon in jungen Jahren seinen Vater in dem Feldzuge gegen die Partheran den Euphrat und diente dann am Rhein. Immer und überall that ersich durch Muth und Tapferkeit hervor, suchte seinen Körper durch grosseFussmärsche zu stärken, eignete sich alle erforderlichen kriegerischenKenntnisse an, und erwarb sich durch sein freundliches Wesen gegen dieSoldaten, ohne seiner Würde Eintrag zu thun, deren besondere Liebe.Im J. 86 wurde er zum Prätor ernannt, im J. 91 zum Consul. Dann lebteer einige Zeit als Privatmann in Hispanien, von wo er durch Domitianabberufen und nach Nieder-Germanien als oberster Heerführer geschicktwurde. Als der hochbetagte Nerva Kaiser wurde, fand dieser keinenWürdigeren als Trajan, um ihn zu seinem Mitregenten zu machen, eradoptirte ihn daher und ernannte ihn im J. 97 zum Cäsar.

Zu dieser Zeit war Trajan 42, nach A. 45 Jahre alt; er besass ausserallen den persönlichen Vorzügen, welche ihm volles Anrecht auf diehöchste Stellung gaben, eine majestätische Haltung und ein schönes,kluges Gesicht. Sogleich nach seiner Ernennung zum Caesar beschränkteer die Rechte der Prätorianer, welche Nerva gezwungen hatten, ihnendie Mörder Domitian's zur Bestrafung zu überlassen, und Hess die Rädels-führer hinrichten. Im J. 98, nach Nerva's Tode, nahm er ohne irgendwelchen Widerspruch Caesar's Stelle ein und bezauberte von Anfang anAlle ohne Ausnahme, sowohl in Rom als in den Provinzen durch seineHerzensgüte, sein Entgegenkommen und seine Leutseligkeit. Er stellteden Lebensunterhalt in Rom sicher, exilirte die clelatores (Denuncianten),welche unter Domitian sich ungeheuer vermehrt hatten, auf die Inseln,gab Gesetze für strengste Bestrafung lügnerischer Anklagen, führte die