368 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
grösste Sparsamkeit und Einschränkung in finanzieller Hinsicht ein, undbesetzte die Staatsämter mit gedienten, kenntnissreichen und rechtschaffe-nen Männern; die Senatoren und die übrigen Vornehmen, selbst die Pri-vatleute behandelte er fortdauernd in der alten freundschaftlichen Weise,so dass Plinius von ihm sagen konnte: » er hatte Freunde, weil er selbstein Freund war.« An seinem Hofe war er Jedermann vollkommen zu-gänglich; zu seinem stets maassvollen und einfachen Tische versammelteer die bedeutendsten, weisesten, angesehensten Männer. Obgleich inseinem ursprünglichen Kriegsdienste er keine gelehrte Bildung erhaltenhatte, so schätzte und beschützte er doch die Wissenschaften, die Ge-lehrten, und die Litteratur und gründete Bibliotheken. Alle dieseBeweise von ausgezeichneten Herrschertugenden, deren einziges Zieldas Glück seines Volkes war, veranlassten den Senat, ihm denBeinamen Optimus beizulegen, und obgleich ihm dieser schon zuAnfang seiner Regierung gegeben wurde, so zeigte er sich desselbenniemals unwürdig. Im 4. Jahre seiner Regierung brach ein Krieg mitdem Fürsten oder König der Daker — Decebalus — aus, der mit dessen Todeund dem Triumphe Trajan's endete, wofür dieser Letztere noch den Bei-namen Dacicus erhielt. Seine angeborene Neigung zum Kriege, dieeinzige, die man ihm vorwerfen kann, wurde durch sein beständigesGlück noch mehr genährt, und so zeigt die übrige Zeit seiner Regierungihn vorzugsweise als geschickten und siegreichen Feldherrn, dessen Zieldie Erweiterung der römischen Grenzen war. Der alte Zwist zwischenRömern und Parthern um den Besitz des Thrones von Armenien gab fürTrajan den Anlass zu dem Kriege mit dem Parther-Könige Chosroes undzur Eroberung Armeniens im J. 107. Dann stellte Trajan freundschaft-liche Beziehungen zu Augares, dem Könige von Edessa, her, erobertedas ganze Mesopotamien, unterwarf alle die kleinen Reiche in Nord-Ar-menien zwischen schwarzem und caspischem Meere, und verwandeltedas steinige Arabien in eine römische Provinz. Im J. 114 erbaute er zuRom das prächtige Forum Traj anum und die bis heute stehende Co-lumnaTrajani, auf welcher alle seine Siege verzeichnet waren. ImJ. 115 wollte er, von dem Ruhme Alexander's d. Gr. berauscht, nichtallein diesem es gleich, sondern noph zuvor thun in seinen Erfolgen inParthien, dem persischen Meerbusen und dem indischen Ozean. NachUeberschreitung des Tigris unterwarf er die Provinzen Adiabene und As-syrien , die Hauptstädte Ctesiphon und Susa, und war der erste undletzte römische Feldherr, der mit einer Flotte im persischen Meerbusenund indischen Ozean erschien, und die Küsten des glücklichen Arabiensverheerte: er bedauerte nur, dass er nicht jung genug sei, um seineWaffen bis nach Indien selbst zu tragen. Aber trotz des Glanzes solcherErfolge ist es ein betrübender Gedanke, dass ein so weiser und men-