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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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61. Allgem. Ueberblick über die röm. Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 365

hauptsächlichsten Euhme. In finanzieller Hinsicht grenzte seine Spar-samkeit an Geiz, zu welchem er immer, auch in seinem Privatleben, einwenig neigte. Indessen stellte er das eingeäscherte Capitol in nochgrösserer Pracht wieder her, erbaute ein ungeheures Colosseum*), führtenoch viele andere Prachtbauten in Rom aus, und erbaute, verschönerte,oder befestigte auch andere Städte. Er förderte den öffentlichen Unter-richt, die Wissenschaften, Litteratur, die Künste sämmtlich, die Industrie,den Handel und alle nützlichen Gewerbe, verfolgte aber den Luxus, dieVerschwendung, Sittenverderbniss und Laster, duldete auch die Philo-sophen, namentlich die Stoiker und Cyniker, nicht in Rom, ja schickteeinige von diesen sogar in die Verbannung auf die Inseln. Trotz seinesAlters aber hatte er eine Schwäche für das weibliche Geschlecht und hieltviele Beischläferinnen. Er verabscheute alle Grausamkeit und Hess nichtnur die gegen ihn Uebles Thuenden nicht hinrichten, sondern suchte siedurch Wohlthaten an sich zu ketten. Trotz einer unheilbaren innerenKrankheit führte er bis zu seinem Tode die Angelegenheiten unermüdlichweiter, indem er sagte: »Der Kaiser muss den Tod stehend erwarten.«Er starb im Jahre 79, im Alter von 70 Jahren, in demselben Hause, inwelchem er geboren war, nach Augustus war er der erste -Kaiser, dereines natürlichen Todes starb und seinem Sohne den Thron vererbte.Das Geschlecht der Flavier-Sabiner, dessen würdiges Oberhaupt er ge-wesen war, obgleich durch seinen jüngeren Sohn Domitianus sehr be-schimpft, gelangte in den Kaisern Constantius Chlorus und dessen SohneConstantin d. Gr. zu neuem Glänze, welche ihre Dynastie daraus her-leiteten. Es ist bemerkenswerth, dass Vespasian, gleich Napoleon L,Unterricht Künste, Wissenschaften, einen Quinctilian, Plinius sen. u. A.beschützend, doch die Ideologen nicht leiden mochte und vertrieb.Mit einem Worte, er war ein ausgezeichneter Mensch, Herrscher undFeldherr, und kann und muss in letzter Hinsicht zu den besten und be-deutendsten der römischen Heerführer gezählt werden.

Titus Josephus Flavius Vespasianus, der älteste Sohn undNachfolger Vespasian's, wurde im J. 40 n. Ohr. geboren, an Nero's Hofmit dem unglücklichen Britannicus zugleich erzogen, mit welchem ihneine innige Freundschaft verband. Von früher Jugend an widmete ersich der Schönredekunst (Rhetorik) und der Advocatur und zeichnete sichin Beidem aus. ' In der Stellung eines Tribunen gewann er in dem Kriegein Germanien und dann in Britannien die allgemeine Liebe und Ver-ehrung seiner Untergebenen durch sein würdiges und freundliches Be-nehmen, durch seinen Muth, seine kriegerischen Gaben und seine Leut-seligkeit. Nach Rom zurückgekehrt beschäftigte er sich wieder mit

*j Das Amphit'heatruni Flavianum. Anmerk. d. Uebers.