3 64 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiches.
die höchsten Stellen. Unter Caligula stand er an der Spitze der Truppenin Germanien, dann in Britannien, und dann wurde er in der Stellungeines Proconsul nach Afrika geschickt. Hier aber zog er durch seinenGeiz sich den allgemeinen Unwillen zu, taüsste bei einem Volksaufstandeseine gesammte Habe ein und kam nur mit Mühe mit dem Leben davon.Nero nahm ihn gelegentlich seiner lächerlichen Reise nach Griechenlandmit sich, bei welcher ein alter Krieger sein Wohlwollen verscherzte, daer einst eingeschlafen war, als Nero seine Gedichte vorlas. Als indessenim J. 64 die Juden aufstanden, übertrug Nero dem Vespasian dieDämpfung des Aufstandes. Diese Aufgabe war sehr schwierig, denndie Juden leisteten verzweifelten Widerstand, auch kostete sie dem Ves-pasian und seinem Heere grosse Anstrengungen und viele blutige Treffen.Die Belagerung von Jotapata allein schon hielt ihn volle 7 Wochen auf.Nachdem diese Stadt durch Verrath eingenommen, begnadigte Vespasianden geschickten und tapferen Vertheidiger von Jotapata. den jüdischenHistoriker Josephus, schenkte ihm die Freiheit und überhäufte ihnmit Gunst, da derselbe ihm vorher gesagt hatte, er werde bald Kaisersein; Vespasian nahm ihn sogar in sein Geschlecht auf, indem er ihm ge-stattete, sich zu der Familie der Flavier zu zählen. Dann schickte ersich schon an, die einzige, aber auch sehr feste Stadt Judäas, die nochzu unterwerfen blieb, Jerusalem, zu belagern, als er im J. 69 nach Romgerufen wurde, wo inzwischen Nero gestorben und nacheinander die Pro-klamation der Kaiser Galba, Otho und Vitellius erfolgt war. Die syri-schen Legionen riefen Vespasian (Juli 69) zum Kaiser aus, er weigertesich lange, endlich musste er nachgeben und übertrug seinem SohneTitus den Oberbefehl über die Armee und die Beendigung des Kriegesin Judäa. Bald erkannten auch die Donaulegionen den Vespasian alsKaiser an. Sein Feldherr Antonius Primus besiegte bei Cremona dasHeer des Vitellius, der Letztere wurde in Rom (20. December 69; er-mordet, bei Gelegenheit eines gegen ihn gerichteten Volksaufstandes.Der 60jährige Vespasian, der als alleiniger Kaiser übrig blieb, mussteden Aufstand der Bataver unter ihrem Anführer Civilis dämpfen, sein ge-schickter Feldherr Cerealis zwang endlich (im J. 70) den Civilis zumFrieden. Zu gleicher Zeit hatte sein Sohn Titus Jerusalem und ganzJudäa unterworfen, im J. 71 schloss Vespasian den Janus-Tempel zuRom zum sechsten Male seit Nuina —. und ernannte Titus zu seinemMitregenten. Ausserdem wurden Rhodus, Samos, Lydien, Cilicien, Com-magene, Thracien und Achaja in römische Provinzen verwandelt. Nach-dem er dem Reiche den Frieden gegeben, erbaute Vespasian zu Romeinen prächtigen Tempel des Friedens (J. 75) und richtete nun seineganze Sorge auf die innere Ordnung und den Wohlstand des Reiches injeder Beziehung, und dies gereicht seiner lüjährigen Regierung zum