362 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiches.
Furcht. Ihnen wie dem Tiberius entsprach vollkommen ihr BefehlshaberSej anus, ein lasterhafter grausamer Mensch, der eben deshalb im Na-men und mit Hülfe des Tiberius in Eom schrecklich regierte, bis er aufBefehl des Tiberius selbst, der ihn im Verdacht der Untreue hatte, er-mordet wurde.
§. 438.Drusus und G-ermanicus.
Das gerade Gegentheil von diesem, der Zeit nach, ersten UngeheuerRoms bilden Drusus und dessen Sohn Germanicus, reine, glänzende,wohlthuende Persönlichkeiten und zugleich ausgezeichnete Feldherrn.
Drusus war der Sohn der Livia, der Gemahlin des Augustus, ausihrer ersten Ehe mit Tiberius Claudius Nero, welcher, nach des AugustusWillen, sich von ihr schied, als sie schwanger war. Drei Monate nachihrer Vermählung mit Augustus gebar sie den Drusus, und Augustusnahm ihn, wie dessen älteren Bruder Tiberius an Sohnes Statt an. Schonin frühester Jugend zeigte Drusus bedeutende Naturanlagen und eine be-sondere Neigung zum Kriegsdienste. Seine militärische Laufbahn be-gann er mit Kriegsthaten in Rhätien, mit Tiberius zugleich, und vonAnfang an zeigte er grosse kriegerische Befähigung und Geschick.Seine späteren glänzenden Thaten und Erfolge in Germanien machten ihnnoch berühmter: seine Operationen zwischen Rhein und Elbe zeichnensich durch unzweifelhafte Geschicklichkeit aus und führten zu der Unter-werfung der diesen Theil Germaniens bewohnenden Völker unter dieHerrschaft des Augustus. Aber der Tod endete zu früh sein tugendhaftesund ruhmreiches Leben. Gerade als er beabsichtigte, in das nördlicheGermanien einzudringen, starb er (im J. 9. v. Chr., 30 J. alt) an einerplötzlichen Krankheit, nach Titus Livius in Folge eines Sturzes mit demPferde. Augustus, der von seiner Erkrankung gehört hatte, schickte ihmsofort den Tiberius hin, welcher ihn zwar noch am Leben fand, aber nurwenige Stunden vor seinem Tode. Diess gab Anlass zu dem Glauben,als ob Drusus auf des Augustus Befehl von Tiberius vergiftet worden sei,aber der grössere Theil der Historiker spricht Letzteren hiervon frei. DasHeer, den Tod seines geliebten Feldherrn tief betrauernd, errichtete ihmam Ufer des Rhein ein prächtiges Denkmal. Sein Leichnam wurde nachRom übergeführt, wo Augustus selber ihm die Grabrede hielt, und nach-dem der Körper auf dem Marsfelde verbrannt, wurde dessen Asche in demMausoleum des Augustus beigesetzt. Auf Senatsbeschluss wurde zu Ehrendes Drusus ein Triumphbogen und seine Statue auf dem Hauptmarkt-Platze errichtet. Ausserdem wurden zur Erinnerung an seine Thaten eineMenge Medaillen geschlagen und der Beiname Germanicus seinem