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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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61. Allgeui. Ueberblick über die röm. Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 361

endlich eingesehen, dass er die Bataver im offenen Felde nicht Über-winden werde, so lange Civilis mit seiner Ausdauer und Beharrlichkeitan ihrer Spitze stehe. Darum reizte er Adel und Volk gegen Civilis aufund wusste sie so zu bearbeiten, dass ihre Treue wankend wurde. Nunmusste dieser, von Allen verlassen, in einen Frieden mit seinen ge-schworenen Feinden einwilligen.

§. 437.Tiberius.

Tiberius Claudius Nero, ein Nachkomme des Censors AppiusClaudius, Sohn des Tiberius Claudius Nero, welchem Augustus seineFrau, Livia Drusilla, fortgenommen hatte, war im J. 42 v. Chr. geboren.Von Natur mit Verstand und kriegerischen Fähigkeiten begabt, hatte erbis zu des Augustus Tode den Ruhm eines geschickten Feldherrn er-worben. Nachdem er die Bewohner von Rhätien und Vindelicien unter-worfen , Pannonien zu einer römischen Provinz gemacht und nach demTode seines Bruders Drusus die Länder zwischen Rhein und Weser nichtsowohl durch die Waffen, als durch schlaue Politik unterworfen, zog ersich im J. 4 v. Chr. auf die Insel Rhodus zurück, gekränkt durch dieBevorzugung der direkten Nachkömmlinge des Augustus, Cajus Cäsarund Lucius. Nach 6 Jahren, 2 n. Chr., rief Augustus ihn nach Romzurück, adoptirte ihn und schickte ihn nach Germanien. Hier drang Ti-berius siegreich vom Rhein zur Elbe vor, vermochte aber Marbod nicht zuüberwinden. Nachdem er einen Aufstand in Pannonien und Dalmatiengedämpft, unternahm er einen Feldzug in Illyrien, der Tod des Au-gustus rief ihn nach Rom, wo er zum Kaiser ausgerufen wurde (imJ. 14 n. Chr.). Von nun an warf er seine scheinheilige Maske ab, undtyrannisirte, rachsüchtig, missgünstig, argwöhnisch, heimtückisch, grau-sam und wollüstig, 23 Jahre lang das römische Reich, bis er im J. 37ermordet wurde. Aber in den 20 Jahren seiner Befehlsführung über dasHeer und der Kriege und Feldzüge, welche er in Rhätien, Vindelicien,Pannonien, Dalmatien und besonders in Germanien bis zu des AugustusTode unternommen, hatte er sich als begabter und geschickter Feldherrgezeigt, und steht er in dieser Hinsicht sehr viel höher wie in den 23 Jahrenals Kaiser.

Er war es, der in Folge seines Misstrauens und Argwohns die Prä-torianer bis auf 10,000 Mann vermehrte, welche von nun an der Schreckenund die Geissei des Reiches wurden. Sie mussten seine Person bewachen,seine blutigen Befehle vollbringen, und erhielten, in ihrem befestigtenLager (castra jjraetoriana) vor dem viminalischen Thore Roms in Luxus,Unthätigkeit und Ausschweifungen lebend, die ganze Stadt in beständiger