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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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360 IV- Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Beiches.

Römern Rache genommen und sein Vaterland befreit sei. Er schickteBoten zu den Batavern, welche bei den römischen Truppen in Mainzstanden, ebenso zu den Friesen und Caninefaten. Diese beiden Stämmegriffen die Römer an und besiegten sie, und auf dieses Zeichen erhobensich auch die Beiger gegen sie, ebenso die Germanen, welche das rechteUfer des Unterrheins bewohnten, und die in Mainz dienenden Batavereilten ihren Landsleuten zu Hülfe.

Um dieselbe Zeit lebte im Lande der Brukterer in den Wäldern anden Ufern der Lippe eine bei den Germanen im höchsten Ansehen stehendeProphetin, die Jungfrau V eile da. Sie verkündete, dass die Götterdiesen Krieg segneten, und dass die Römer in dem alten Lager[castra vetera, h. Xanten) fallen würden. Dem Ausspruche Velleda'sfolgend warfen sich die Brukterer und Tenchterer, nachdem sie sich mit denBatavern vereint, auf castra vetera, nahmen es und machten die ausdemselben ausgerückte römische Garnison nieder. Civilis, in dem Glau-ben, dass sein Gelübde schon erfüllt sei, Hess sich die Haare und den Bartscheeren, und schickte den besten Theil der Beute an Velleda.

Darauf traten die Gallier und Bataver in ein Bündniss mit den nieder-rheinischen Germanen. Aber der geschickte und erfahrene römischeFeldherr Cerealis, welchen Vespasian mit auserlesenen Truppen nachGallien geschickt hatte, schlug bei Trier die ganze Macht der Verbün-deten, und die Gallier fielen von den Germanen ab. Die Ubier über-fielen bei Nacht die Chauker und Friesen und machten sie nieder; die beidieser Gelegenheit in ihre Hände gefallenen Frauen, Gattin und Schwesterdes Civilis, lieferten sie den Römern aus. Trotz seines tiefen Kummershierüber Hess Civilis den Muth nicht sinken, sondern setzte den Kampffür die Freiheit Bataviens nur um so hartnäckiger fort. Bei castravetera sammelte er ein Heer, erbaute am Rhein einen Damm, um dieRömer zu ertränken, formirte sein Heer in Keilform und warf sich auf6 römische Legionen. Ein Ueberläufer aber zeigte den Römern einenSeitenweg, auf welchem sie Civilis in den Rücken kamen, und sie be-siegten ihn. Aber die Hoffnung verliess ihn nicht: er zerstörte einenDamm, der einst von Drusus aufgeführt war, setzte das ganze Land biszum Waalflusse unter Wasser und griff nun mit 4 Abthejlungen die Römeran. Aber auch hier erfochten sie durch ihre Tapferkeit und die Kunst desCerealis einen Sieg. Die verbündeten Germanen wandten sich zur Flucht,vergebens versperrte Civilis ihnen den Weg und wollte sie zu erneutemKampfe bewegen; endlich ward sein Pferd unter ihm getödtet, und erkonnte sich nur retten, indem er durch den Rhein schwamm. Bald jedocherschien er von Neuem in Batavien und bekämpfte die Römer zu Schiffe.Der Sieg blieb unentschieden, Civilis wandte sich zum Waalflusse, umvon hier aus neuerdings die Römer anzugreifen. Aber Cerealis hatte