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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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61. Allgem. Ueberblick über die röm. Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 359

an, verheerte ihr Gebiet, ward aber bald von Tiberius nach Rom zurück-berufen. Thusnelda hatte er mit den übrigen Gefangenen nach Rom ge-schickt, sie hat ihren Gemahl nicht wieder gesehen. Der einzige Trostdes Letzteren hierbei war seine unablässige Thätigkeit für die Freiheitund das Wohl Germaniens. Nachdem er es von den Römern befreit,wollte er es auch von dem Einflüsse des schlechten Beispiels des Allein-herrschers Marbod, Fürsten der Marcomannen, freimachen, welcher einmächtiges Reich von den Alpen bis zur Elbe gegründet hatte, mit unum-schränkter Macht darin herrschte und, um seine,Macht zu befestigen, mitTiberius in freundschaftliche Beziehungen getreten war. Zwei dertapfersten Suevenstämme, die Semnonen und Longobarden, wollten diesesBündniss nicht ertragen und vereinigten sich mit den Cheruskern. In-giomar, der Onkel Hermann's, bislang mit diesem thätig, ging jetzt ausNeid gegen ihn auf Marbod's Seite über. Der Letztere war zwar stärker,er kämpfte aber um seine eigene Macht, Hermann dagegen und seineVerbündeten, obgleich schwächer, kämpften für die Freiheit Deutsch-lands. Marbod ward zum Rückzüge gezwungen und bat die Römer umHülfe. Da drang ein edler Jüngling aus dem Stamme der Gothen, Kat-wald, in das Land und Schloss Marbod"s ein, bemächtigte sich desSchatzes, und Marbod floh zu den Römern, welche ihm Ravenna zur Re-sidenz anwiesen. Den edlen und verdienstvollen Hermann aber be-schuldigten seine neidischen und undankbaren Landsleute des Trachtensnach der Alleinherrschaft. Lange behauptete er sich mit wechselndemErfolge, endlich aber im J. 21 n. Chr., gerade 12 Jahre nach der Teuto-burger Schlacht, überfielen ihn seine verrätherischen eigenen Leute undermordeten ihn, im 38. Jahre seines Lebens. Sein Ruhm aber als Volks-held Germaniens, in zeitgenössischen Liedern besungen und von Tacitusund anderen römischen Schriftstellern anerkannt, lebt in der Geschichte,in der dankbaren Erinnerung der Nachwelt, und in neuerer Zeit in einemGedichte Klopstock's weiter.

Ein ihm ähnlicher Held ist ein halbes Jahrhundert später der BataverCivilis (J. 70), der gleich ihm die Bataver vom Joche der Römer be-freien wollte. Er war von edler vornehmer Abkunft und hatte die bata-vischen Cohorten, welche im römischen Heere standen, befehligt, waraber schon lange empört über die schimpflichen Handlungen der ver-derbten und habgierigen Römer in Batavia und grämte sich auf's tiefsteüber die Erniedrigung seines Vaterlandes. Nero, der hiervon erfuhr, Hessihn in den Kerker werfen, Galba aber befreite ihn. Vitellius beraubte ihnauf's Neue der Freiheit, aber Civilis entfloh, liess sich Bart und Haarwachsen und schwur, sie nicht eher scheeren zu lassen, bis nicht an den