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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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358 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

Varus stürzte sich in Verzweiflung, römischem Gebrauche folgend, insein Schwert.

Nach diesem entscheidenden Siege zerstörten die Germanen die rö-mischen Befestigungen in Germanien und auf dem rechten Rheinufer, anEroberungen jenseits des Rheines dachten sie nicht. Hermann war nurauf die Befestigung der Freiheit und Unabhängigkeit Germaniens be-dacht, durch Herstellung eines allgemeinen Bündnisses aller seinerVölker. Das verhinderten aber die ehrgeizigen germanischen Fürsten rwelche die Macht in ihrer Hand behalten wollten, so namentlich Segest,der geschworene Feind Hermann's. Einmal überfiel er sogar den Her-mann unvermuthet und legte ihn in Fesseln, aber die Kämpfer desLetzteren befreiten ihn und nahmen an Segest Rache.

Als man in Rom von den Misshelligkeiten bei den Germanen hörte,beschloss man davon Nutzen zu ziehen und für die Niederlage des VarusRache zu nehmen. Augustus sandte den Tiberius mit einem starken Heerean den Rhein, die Germanen aber zogen sich in ihre Wälder. DesDrusus Sohn Germanicus schlug die Katten und Marsen, verwüstete ihrLand und befreite, von Segest herbei gerufen, diesen von der Belagerungdurch die Germanen in seinem Schlosse. Hierbei gab Segest den Römernviele vornehme Frauen zu Gefangenen, die sich in seiner Burg befanden,darunter" auch Thusnelda. Auf die Kunde hiervon eilte Hermann überallhin, die Germanen zur Rache aufreizend. Germanicus drang sogar inden Teutoburger Wald ein, bestattete die Gebeine der gefallenen Legionendes Varus und rückte noch weiter vor, als Hermann mit seinen Schäarenherbeieilte, die Römer verjagte und sie über den Rhein zurück zu gehenzwang.

Danach griff Germanicus, der ein Heer und eine Flotte zusammen-gebracht hatte, die Germanen von der See her an, indem er die Amisia(Ems) hinauf fuhr und von ihr sich zur mittleren Weser in das Land derCherusker wandte. Hermann hatte sich über die Weser zurückgezogenund stellte sich auf ihrem rechten Ufer nahe dem heutigen Minden mitden Cheruskern zur Schlacht auf. Er hatte einen geschickten Plan zumKampfe entworfen und führte ihn geschickt aus, aber die Cherusker, vonihrer Kampfbegier fortgerissen, rückten zu früh von den waldigen An-höhen in das Weserthal hinab und geriethen in Unordnung. Die Römerbenutzten dies, warfen sie zurück und behaupteten das Schlachtfeld;Hermann, welcher Wunder der Tapferkeit verrichtet hatte und mitWunden bedeckt war, vermochte nur mit Mühe sich durchzuschlagenund in Sicherheit zu bringen. Als aber die Römer sich zur Ems zurück-wendeten , wurden sie von den ihnen den Weg verlegenden Germanenangegriffen, und nachher ihre Flotte durch einen Seesturm vernichtet.Dessen ungeachtet griff Germanicus auf's Neue die Katten und Marsen