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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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356 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

die gleichen Gefühle einflössen werde. Hermann aber war mit Leib undSeele ein treuer Sohn Germaniens geblieben. Bei der Eilckkehr in seineHeimath sah er die raschen Fortschritte der Römer in Germanien und diebevorstehende Unterjochung desselben durch sie. Ausserdem, dass siedie deutschen Jünglinge in's römische Heer einreihten, schickten sie eineMenge von ihren Beamten und Advokaten nach Germanien, welche dieStreitigkeiten der Germanen nach römischem Rechte schlichteten unddieselben auf alle Weise aussogen. Mehr noch aber bedrückte sie derrömische Proconsul Quinctilius Varus, ihn hassten sie noch mehr,als die übrigen Römer. Das Herz Hermann's entbrannte in Zorn beimAnblick der Demüthigung seines Vaterlandes, und in Eifer zur Befreiungdesselben vom Joche der Römer. Aber das war äusserst schwierig, denndie Römer hatten in Germanien eine grosse Heeresmacht und viele festePunkte, die Germanen waren uneins und schwer zur Eintracht zu bringen,schwerer noch darin zu erhalten. Im offenen Felde konnten die Ger-manen den Römern nicht die Stirn bieten, Erfolg war nur zu hoffen inden ihnen wohlbekannten Wäldern und Sümpfen. Darauf namentlichgründete Hermann den von ihm entworfenen Plan.

Sein Bruder Flavius war vollkommen zum Römer geworden; Varus,der ihn oft zu seiner Tafel zog, hoffte, dass auch Hermann diese Gefühletheile. Hermann Hess ihn in diesem Wahne, sein Plan war noch nichtgereift. Endlich berief er die besten Männer seines Stammes in derWaldestiefe zusammen, und Alle erkannten an, dass sie nur dann sich gänz-lich von den Römern befreien würden, wenn sie dieselben ganz aus Ger-manien vertrieben. Zu diesem Zwecke rief Hermann die Mitwirkung derBrukterer, Marsen und einiger anderer Stämme an und schloss mit ihnenein Bündniss auf Leben oder Tod. Einstweilen aber beschloss man durchscheinbare Unterwürfigkeit die Römer vollkommen einzuschläfern.

Inzwischen hatte Hermann die Tochter des Cheruskers Segest,Thusnelda, liebgewommen, sie liebte ihn wieder und theilte auch seineGefühle und Ansichten von der Befreiung des Vaterlandes. Segest aber,ein Anhänger der Römer, mit deren Hülfe er die Obergewalt über dieCherusker zu erlangen hoffte, verweigerte Hermann die Hand seinerTochter. Nun entführte Hermann seine Thusnelda, vermählte sich mitihr, und aus Rache klagte Segest ihn vor Varus des Verraths an. Varusaber glaubte das nicht und schlug die Warnungen des Segest in denWind.

Im Sommer, als er sich im Lager an der Weser befand, erhielt er dieNachricht von einem Aufstände der Germanen am Flusse Amisia Ems),wobei dieselben alle Römer dort ermordet hätten. Es war dies der wohl-berechnete Anfang der Ausführung von Hermann's und seiner Ver-bündeten Plane, da sie überzeugt waren, dass Varus sofort mit seinen