Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
Entstehung
Seite
355
Einzelbild herunterladen
 

61. AUgem. Ueberblick über die röm. Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 355

Erfolg und leitete die Staatsangelegenheiten desto geschickter, war einvortrefflicher Redner, und wusste seine Leidenschaften und seine Ab-sichten zu verbergen, die Gedanken der Anderen zu errathen, und vorherzu sehen, was da kommen würde. Seine 44jährige Regierung bietet eineununterbrochene Reihe unermüdlicher Anstrengungen zur Erhaltung desFriedens und der Ruhe, in Rom wie in den Provinzen, sogar den ent-ferntesten, und Bemühungen um die Reinigung der Sitten, VerschönerungRoms und anderer Städte, und um die Fortschritte von Wissenschaft undLitteratur, Dichtkunst und der schönen Künste, weshalb denn auchseine Regierung das goldene Zeitalter derselben genannt wird.

§. 436.Hermann oder Arminius und Civilis.

Gleich hinter den Angaben über Augustus ist es wohl am Platzeüber Hermann oder Arminius zu reden, der dem Varus die Nieder-lage beibrachte, und dann zugleich auch Civilis zu erwähnen, obgleicher später als Hermann lebte und wirkte, denn er ist ein Held wiejener.

Die Siege des Drusus hatten der Macht der Römer alle Länder vonNieder-Germanien zwischen Rhein, Elbe und Saale unterworfen, dieRömer trafen alle Anstalten, um sich in denselben festzusetzen. Die Si-cambrer wurden an die Ufer des Rhein, ja bis in das Innere von Gallienverpflanzt, die Treue der übrigen Stämme durch Geiseln verbürgt, unddie Kinder der vornehmsten germanischen Fürsten wurden nach Rom ge-schickt, um daselbst erzogen zu werden. Die Germanen, obschon tapferund kriegerisch und die Freiheit über Alles liebend, konnten doch denRömern nicht nachhaltig und kräftig widerstehen, weil sie zersplittertund entzweit sich untereinander befehdeten, und den Krieg gegen dieRömer nicht mit Geschick zu führen verstanden. Um diese Zeit lebte imLande der Cherusker, zwischen Harz und Elbe, der jugendliche Sohn desSigimer (Sigmar), eines hervorragenden Cheruskerfürsten, Hermanngenannt, bei Tacitus aber und anderen römischen Schriftstellern heisst erArminius. Er war 18 v. Chr. geboren, in Rom erzogen worden undhatte im römischen Heere gedient. Sein lebhafter und hoher Geist hattedaselbst viele Nahrung gefunden: Arminius hatte neben der römischenSprache die römische Kriegskunst erlernt, aber auch römische List sichangeeignet und in Rom sich solche Liebe erworben, dass Augustus ihmdas römische Bürgerrecht verlieh und ihn zum römischen Ritter machte.Nach dem Tode seines Vaters kehrte Hermann mit Erlaubniss der Römerin sein Vaterland zurück,' sie dachten wohl, dass er aus Dankbarkeit fürdie ihm erwiesene Güte ihnen ergeben bleiben und seinen Landsleuten

23*