354 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Keiches.
Julius Cäsar's (mit welchem er seinen ersten Feldzug bei dessenletzter Campagne in Hispanien, 46—45, gemacht hatte), der ihn zuseinem Erben eingesetzt hatte. Sofort brach er nach Italien auf; durchseine Leutseligkeit gewann er Anhänger für sein Vorhaben und brachteauch Cicero auf seine Seite, welcher ihn im Senate gegen die Angriffedes Antonius in Schutz nahm. Dann übernahm er die Leitung der Staats-angelegenheiten und führte 5 Bürgerkriege, die mit ungewöhnlichem Er-folge für ihn endigten. Den ersten führte er, die Armee persönlich com-mandirend, gegen Antonius, besiegte ihn (43), die Früchte davon fielenihm ganz allein zu und er begann dem Senat Gesetze vorzuschreiben.Dann schloss er das Triumvirat mit Antonius und Lepidus, wobei Ciceround viele namhafte Kömer dem endlichen Vergleiche zwischen denTriumvirn zum Opfer fielen. Mit Antonius gemeinschaftlich schritt erdann zum Kriege gegen Cäsar's Mörder Brutus und Cassius und besiegtesie bei Philippi im J. 42, wobei diese Beiden ihr Leben einbüssten. Dannbekämpfte er den Lucius Antonius. Bruder des Triumvirn (im J. 40), denSextus Pompejus, Sohn Pompejus des Grossen (36), und endlich denTriumvirn Antonius selbst, den er bei Actium (30) schlug. Von diesemZeitpunkt an ist er unbeschränkter Monarch des römischen Beiches, unterdem Titel: Kaiser und Augustus. Ausser den angegebenen Bürger-kriegen führte er während der 44 J. seiner Regierung erfolgreiche Kriegein Afrika, 'besonders aber in Hispanien, Gallien und Italien, eroberteAquitanien, Pannonien, Illyrien, Dalmafien, und hielt die Daker, Numi-dier und Aethiopier im Zaum. Die Parther schlössen mit ihm einenFriedensvertrag, durch welchen sie ihm Armenien abtraten und die demCrassus und Antonius abgenommenen Adler zurückgaben. Am Fusse derAlpen errichtete er ein Denkmal zur Erinnerung an seine Besiegung derBergvölker (die prächtigen Trümmer sind noch heute bei Susa und Aostasichtbar). Nachdem er überall zu Wasser und zu Lande, den Friedenhergestellt, schloss er im J. 10 n. Chr. den Janus-Tempel, — das dritteMal seit Gründung Roms. Aber dieser Frieden wurde im J. 9. n. Chr.durch die Niederlage des Varus und die Vernichtung seiner 3 Legionenim Teutoburger Walde in Germanien durch die Germanen unter ihremFührer Hermann oder Arminius gestört. Die Nachricht hiervon be-kümmerte ihn so, dass er wiederholt ausrief; »Varus, Varus, gieb mirmeine Legionen wieder!« Aber der von ihm abgeschickte Tiberiushielt die Germanen in ihren Grenzen. Fünf Jahre danach, im J. 14n. Chr. starb Augustus in seinem Landhause zu Nola in Campanien im77. Jahre seines Lebens. Er war nicht gross von Wuchs, aber von an-genehmem Aeusseren, hatte feurige Augen, schöne Gesichtszüge und eineEhrfurcht einflössende königliche Haltung. Obgleich er keine besonderenkriegerischen Feldherrngaben besass, führte er die Kriege mit Glück und