61. Allgem. Ueberblick über die rüm. Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 351
solche Beispiele, wie die Kriege aus der besten Zeit der Republik undder Zeit der Bürgerkriege hinter sich, und zugleich die Vorbilder solchergrossen Feldherren wie Alexander d. Gr., Hannibal und Julius Cäsar,und vieler geschickter Heerführer zweiten Ranges im Alterthum gehabthatte, — 2) deshalb, weil fast alle seine Kaiser (mit nur wenigen Aus-nahmen) nahezu ausschliesslich durch das Heer aus der Zahl der beidemselben um ihrer kriegerischen Begabung, Erfahrenheit, Kunst, ihrerErfolge und Siege willen in Liebe und Ansehen stehenden Feldherrengewählt worden waren, — und 3) weil diese kaiserlichen Heerführer wirk-lich Männer waren, welche Begabungen aller dieser Art besassen, einigevon ihnen sogar besonders geschickte und bedeutende Feldherren. IhrerAller Namen wurden schon öfter erwähnt, hier müssen aber doch be-sonders Augustus, Tiberius, Drusus und Germanicus,Agrippa, Agricola und Corbulo, Vespasian und Titus, Ce-realis, Trajan und Marc Aurel, Septimius Severus, Pescen-nius Niger, Maximin, Claudius IL, Au relian, Probus, Carusund Diocletian, Constantius Chlorus, Constantin d. Gr.,Julian und Theodosius Vater und Sohn, Stilicho, Alarich,Aetius, Ricimer und 0doaker noch einmal genannt werden. Ihnenbesonders ist der Grad von Kunst, Bedeutung und Belehrendem zuzu-schreiben, welchen die von ihnen geführten Kriege und geleiteten Feld-züge besitzen. Und da jeder kunstvoll geführte Krieg hauptsächlich denscharfen Stempel der persönlichen Gaben und Eigenschaften des com-mandirenden Feldherrn trägt, diese aber natürlicherweise sehr ver-schiedene Naturen sein werden, so sind auch die Kriege solcher Feld-herren sehr unterschiedlich, und so gestalten sich denn auch die Kriegeund Feldzüge der oben genannten Heerführer dieser Periode, obgleich inden Grundzügen und Hauptlinien einander ähnlich, doch in den Einzeln-heiten sehr abweichend und verschiedenartig. Diese Einzelnheitenkonnten bei der Darstellung ihrer Kriege und Feldzüge bereits früheraufgezeigt werden, die Hauptgrundlagen und Züge sind dieselben oderdoch ähnliche wie die, welche allen grossen Feldherren eigen und diein der Beschreibung der Kriege und Campagnen Alexander's d. Gr.,Hannibal's und Julius Cäsar's dargelegt wurden. Wenn man sie mit Auf-merksamkeit, gesondert und im Vergleich mit den anderen dieser Periodeund mit den Kriegen und Feldzügen der grossen Feldherren, verfolgt, sowird man leicht ihre Bedeutung hinsichtlich der Kunst erkennen und sichden richtigen Begriff, von dem Standpunkt dieser Kunst, — der Stra-tegie —, in dieser letzten Periode der römischen wie der allgemeinenKriegsgeschichte des Alterthums überhaupt machen können. Die Grenzendieses Werkes erlauben nicht, in eine detaillirte kritische Analyse derKriege und Feldzüge der oben genannten besten und bedeutendsten Feld-