352 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Keiches.
herren dieser" Periode einzugehen. Aber es muss hier im Allgemeinenbemerkt werden, dass in strategischer Hinsicht die römischeKriegsgeschichte dieses Zeitraumes durchaus nicht uninteressant oderweniger lehrreich ist, und die strategische Kunst durchaus nicht aufeiner niedrigen Stufe steht, sondern im Gegentheil. Aber, — fügen wirhinzu —. auch nur in den Kriegen und Feldzügen der oben genanntenbesseren Feldherren; von den übrigen ist dem Aehnliches nicht zu be-merken. Wie im Alterthum überhaupt, und bei den Eömern besonders,war die strategische Kunst einfach und wenig complicirt: der Kriegwurde durch den Kampf entschieden, zu welchem Zwecke die beidengegnerischen Heere direkt einander entgegen gingen; in dem Kampfe,der der alten Bewaffnung gemäss immer ein entscheidender war, siegtedas eine, das andere erlitt eine Niederlage verbunden mit ungeheuerenVerlusten, bisweilen sogar mit gänzlicher Vernichtung, denn der Kampfwar ein Handgemenge. Und obgleich in der vorliegenden Periode,besonders in deren zweiter Hälfte, die Anzahl der Wurfgeschütze und-Maschinen sich vermehrt und deren Anwendung sich sehr verbreitethatte, so war deren Wirksamkeit doch eine mehr untergeordnete, eineMithülfe, das Handgemenge mit der blanken Waffe die hauptsächlichsteund entscheidende. Das schwerbewaffnete Linienfussvolk war daher,wie vordem schon immer, die wesentlichste und entscheidende Waffen-gattung. Aber die Theilnahme der schweren und leichten Keiterei unddes leichtbewaffneten Fussvolkes bei Erzwingung der feindlichen Nieder-lage im Kampfe wie im Kriege überhaupt, und bei Erlangung des Siegeswurde viel bedeutender als früher, ihre Verwendung wie ihre Action inVerbindung mit der des schweren Fussvolkes verdienen besondere Be-achtung. Nicht weniger bemerkenswerth sind in den Operationen derbesten Feldherren die Flankenbewegungen und Operationen aufdem Kriegsschauplatz und im Feldzuge, und eben solche Flanken-angriffe im Kampfe, oder auch Angriffe in schräger Schlachtordnung,oder die Massenoperationen der Cavallerie und leichten Infanterie gegenFlanke und Rücken. Die Kriege und Feldzüge der besten Feldherrendieser Zeit zeigen gerade in dieser Beziehung eine besondere Mannich-faltigkeit der Dispositionen wie der Mittel zu deren Ausführung. DieKriege und Feldzüge der Anderen bieten nichts dem Aehnliches, sowohlim Allgemeinen, wie besonders gegen die Barbaren, welche einfach unddirekt in der Front aufzuhalten und möglichst rasch und entscheidend zubesiegen waren. Dies ist auch ein unterscheidender Zug zwischen denäusseren Kriegen gegen die Barbaren und den inneren Bürgerkriegen.In den letzteren operirten und kämpften römische (gegen Ende derPeriode nur noch dem Namen nach römische) Heere gegen gleichfallsrömische, gleichbewaffnete und organisirte und von römischen (gegen