350 IV. Von Augustns bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
zu thun. Von ihr wird aber in dem folgenden §. 434 besonders die Redesein, der von den Kriegen überhaupt handelt, welche die Römer in dieserPeriode geführt haben.
§. 434.Kriege.
Die von den Römern in dieser Periode geführten Kriege sind höchstinteressant und verdienen in vieler Hinsicht besondere Beachtung. Wäh-rend im 1. Jahrh. die Römer überall, am Rhein, Donau und Euphrat, dieBarbaren noch angriff s weise bekämpfen, vom 2. Jahrh. an aber schondefensiv, hatten sich im Inneren des Reiches häufige, dann fast ununter-brochene Bürgerkriege abgespielt, entweder gegen aufständische Pro-vinzen, oder gegen Statthalter und deren Feldherren. Im Ganzen fallenin diese 5 Jahrh. 18 grosse Bürgerkriege (der 7. bis 24., wenn man die6 ersten vom J. 133 v. Chr. bis zu Augustus dazu zählt), und an 80grosse äussere Kriege, die kleineren ungerechnet. Friedliche Pausenwaren selten, namentlich im 3., 4. und 5. Jahrh., am häufigsten unterAugustus und in der Periode der Antonine. Sonst aber kann man sagen,dass das kriegerishe Rom, welches mit dem Schwerte begonnenund sich emporgehoben hatte, während seiner letzten und während derersten christlichen 5 Jahrhunderte das Schwert nicht mehr indie Scheide steckte und, wie es von Anbeginn das Schwertergriffen hatte, so auch endlich durch das Schwert unter-ging!
Um sich einen möglichst vielseitigen Begriff von diesen letzten5 Jahrh. innerer und äusserer Kriege zu bilden, muss man den Zu-sammenhang von alle dem erwägen, was sich auf die innere und äusserePolitik Roms zu dieser Zeit, wie auch besonders auf die militärische Or-ganisation des Staates, Heeres und der Truppen bezieht, den moralischenZustand der Truppen, den Standpunkt der römischen Kriegskunst undaller ihrer Branchen, und endlich die Art und Kunst der römischenKriegführung. Fassen wir dies Alles zusammen, so ergeben sich fol-gende Bemerkungen:
Die Todeskämpfe Roms in den letzten 5 Jahrh. sind in der Zahl der12 Jahrh. durchziehenden Kämpfe Roms, im Allgemeinen betrachtet,nicht ohne Ruhm für dasselbe in kriegerischer Hinsicht. Obgleich derendliche Fall des Reiches im J. 476 unrühmlich war, so muss man dochsagen, dass unter den 98 inneren und äusseren Kriegen von Augustus biszum Untergange eine grosse Anzahl in Bezug auf die Kunst bemerkens-werth sind. Und das ist nicht zum Verwundern, 1) weil Rom, kriegerischvon Anfang bis zu Ende, eine Kriegserfahrung vom 12. Jahrh., und