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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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61. Allgem. Ueberblick über die röni. Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 349

Wickelung und Vervollkommnung erfahren in Folge der ausserordent-lichen Vermehrung von Wurfmaschinen im Felde und den Festungen undihrer erweiterten Anwendung bei Angriff und Verteidigung. Mit der' Ballistik zugleich hatte sich auch die Kunst der Anfertigung und Anwen-dung von Brandgeschossen (von welcher Art und Form ist nicht mitSicherheit bekannt) sehr entwickelt und verbreitet, sehr wichtig in ihrenFolgen für die spätere Zeit. Die Poliorcetik (Belagerungskunst) endlichmit allen den verschiedenen mit ihr zusammenhängenden unter- undüberirdischen Arbeiten befand sich, wie man sagen kann, sogar in blü-hendem Zustande bis zum Untergange des Weströmischen Reiches hin,zufolge der mehr oder weniger bedeutenden zahlreichen Einschliessungenund Belagerungen in dieser Periode. Und in diesem Zustande gingendie 4 genannten Zweige der Kriegskunst auf die folgenden Geschlechterdes Mittelalters über. Es muss hierbei bemerkt werden, dass die hervor-ragendsten Leistungen in denselben, gelehrte Erfindungen und Con-struktionen fast stets von Griechen ausgingen, die besten Techniker undMechaniker meistens Griechen waren, welche sich besonders mit diesenGegenständen beschäftigten und eine grosse Geschicklichkeit dafür be-sassen.

Die wichtigsten Veränderungen der römischen Taktik in dieser Pe-riode gingen vor sich in den Zeiträumen: 1) von Augustus bis Nerva(von 30 v. Chr. bis 96 n. Chr., die Aufstellung der Legionen in Co-horten in 2 Linien), 2) von Nerva bis zu Diocletian (von 96284,Aufstellung der Legionen in Cohorten in einer Linie in Form der Phalanx), und endlich 3) von Diocletian und Constantin d. Gr. bis zum Unter-gang des Weströmischen Reiches (von 284 und 306 bis 476, Auf-stellung der Legionen in vollständiger Phalanx, eine höchst unvoll-kommene Form). Die ersten beiden taktischen Formen hatten nochbegründende und triftige Ursachen in ihrer Anschmiegung an die Auf-stellungs- und Kampfart der Barbaren, sie waren in dieser Hinsicht nichtohne Nutzen. Die dritte Form aber, und auch schon die zweite, derUebergang von der römischen Aufstellung zu der griechischen, warenbereits eine Folge des allmäligen sittlichen Verfalls der römischen Heereund Truppen, sie bezeichneten einen grossen Rückschritt in der taktischenKunst, und indem sie den grössten Zeitraum erfüllen (von 500 Jahrenganze 374'Jahre, oder 3% Jahrh.) beweisen sie dadurch gerade den Ver-fall dieser Kunst, im Vergleiche zu den früheren Epochen ihrer Blüthe inder Zeit der Republik und selbst noch bis zu Nerva und zum J. 96 nachChr. hin.

Schliesslich ist noch des Hauptsweiges der römischen Kriegskunst,der S t r a t e g i e oder Kunst der Kriegführung im Allgemeinen, Erwähnung