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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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348 IV. Von Augustns bis zum Untergang des Weströmischen Eeiches.

Im besten, ja blühendem Zustande befand sie sich zur Zeit desAugustus, wo sie oft an die Zeit Julius Cäsar s und der früheren bestenrömischen Feldherren erinnert. In den Kriegen und Feldzügen des Ti-berius, Drusus, Germanicus, Agrippa und anderer geschickter Feldherrendes Augustus wetteiferten, kann man sagen, alle Zweige derselben an Ge-diegenheit mit dem Zustande derselben, wie er bis zu den Bürgerkriegen undwährend derselben gewesen war. Und selbst in der dunkeln Periode bis zuDiocletian und Constantin d. Gr., auch noch während des Lebens derselben,und sogar nach ihnen, unter Julian und Theodosius d. Gr. namentlich stan-den sie in vielen Stücken noch nicht hinter ihrem früheren Standpunktezurück. Die einzigen Ursachen hiervon lagen in den hohen persönlichen undkriegerischen Gaben vieler Kaiser, welche aus der Zahl der besten Feld-herren erwählt waren, sowie auch in der Befähigung vieler von den ihnenunterstellten Armee- und Truppenbefehlshaber., Solche waren z. B., inchronologischer Beihenfolge: Tiberius, Drusus und Germanicus(besonders), Agrippa, Agricola und Corbulo, Vespasian undTitus (besonders), Cerealis, Trajan und Marc Aurel (besonders),Septimius Severus, Pescennius Niger, Alexander Severus,Maximinus, Gordianus III., Decius, Odenatus, und dessenWittwe Zenobia von Palmyra, C1 audius IL, Aurelian und Probus(besonders), Carus, Diocletian, Constantin d. Gr. und Julian(besonders), Valentinian L, Theodosius d. Gr. (besonders),Stilicho, Alarich, Ricimer und Odoaker. Wie ersichtlich, ist dieZahl guter Feldherren in dieser Periode nicht gering, und die von ihnenentfaltete Kunst ist mehr oder weniger bemerkenswerth.

Von allen Branchen der römischen Kriegskunst dieser Periode istunstreitig die Lagerkunst, Ballistik, Fortifikation und Be-lage rungskunst an die Spitze zu stellen. Diese waren nicht alleinnicht in Verfall, sondern hatten eine noch grössere Entwickelung als jezuvor, in vieler Hinsicht sogar eine gewisse Vollkommenheit erreicht.Lagerkunst [castrametatio) und Fortification erlangten dieselbe in Folgedes zur beständigen Gewohnheit gewordenen Aufenthalts von Truppenan den Grenzen und im Winter in stehenden Lagern (castra stativa),welche kleinen Lagern glichen und nicht nur am Rhein, Donau undEuphrat, sondern auch in Germanien, jenseits der Donau und desEuphrat,in Asien, Aegypten, Afrika in grosser Anzahl errichtet waren. Ausserdemwaren zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten eine Mengekleiner Festungen (Forts und befestigte Burgen) und lange befestigte Li-nien, Wälle und sogar Mauern angelegt worden, besonders zwischen Donau,Rhein und Ocean, in Britannien von einem Meere zum andern (so die Wälledes Trajan und Hadrian) und viele andere diesen ähnliche Befestigungengegen äussere Grenzfeinde. Die Ballistik hatte eine ungewöhnliche Ent-