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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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61. Allgem. Ueberbliek über die röm. Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 347

von Alters her bekannte Form. Indem sie sich mit einem zahlreichen undglänzenden Hofe umgaben, deren sogar mehrere, für jeden Augustus undCäsar schufen (die Usurpatoren jungerechnet), eine königliche Leibwacheoder Garde und verschiedene Truppenarten einführten, active, Feld-,Provinzial-, Grenz-, Colonisten-, Hülfs-, Söldner-Truppen u. s. w. er-richteten, eine sehr zahlreiche und vielgestaltige Hierarchie von Offiziers-stellen, Aemtern und Stellen einsetzten, den Sold und Unterhalt erhöhten,auch die militärische Disciplin wieder herstellten, und wieder Ordnungmachten in der inneren Organisation des Heeres und der Truppen u. s. w.. so erreichten sie dennoch ihr Ziel nur für die Dauer ihres Lebens undkeineswegs in vollem Maasse. Nach ihrem Tode widerholte sich, wasnach dem des Augustus geschehen war, wenn auch nicht mit derselbengewaltigen Kraft und Gefährlichkeit, weil sich auch die Umstände ge-ändert hatten, das Heer mit Barbaren gefüllt war und von aussen immerneue Barbarenhorden mit verdoppelten Schlägen das Reich erschütterten.Und gerade da, als ob es mit Absicht geschähe, sinnt Julian bei allenseinen unzweifelhaften Verdiensten darauf, sich vom Christenthum loszu-sagen und das Heidenthum mit dessen verderblichem Einflüsse auf Heer,Volk und Staat wieder herzustellen. Aber Theodosius d. Gr., der mitfester Hand das Beich regiert und für 16 Jahre dem Uebel Einhalt ge-than hatte, theilte vor seinem Tode das Reich in ein östliches und west-liches und vertraute diese Reiche seinen unfähigen und unwürdigenSöhnen an. Diese und ihre Nachfolger waren nur die blinden und unbe-wussten Werkzeuge ihrer ersten Minister und Feldherren, ehrgeiziger,die oberste Gewalt an sich reissender Männer, welche ihr eigenes Vater-land durch sinnlose Bürgerkriege zerrütteten. Auf diese Weise geriethen,nach dem Tode Constantin's d. Gr. bis zum Untergange des WeströmischenReiches die Militärorganisation und Einrichtungen desselben, ihren euro-päischen Charakter einbüssend und dafür einen orientalischen asiatischenannehmend, im äussersten Verfall und in allen ihren Theilen in diekläglichste Verfassung, in welcher Gestalt sie dann im Westen in dieneuen germanischen Staatenbildungen übergingen, während im Osten siein dem byzantinischen Reiche noch lange beibehalten wurden.

§. 433.Kriegskunst.

Die römische Kriegskunst während dieser Periode bietet ein selt-sames Bild, indem sie in einigen Zweigen, in einzelnen Epochen, Kriegenund Feldzügen mehrerer der besseren Kaiser und Feldherren, blüht, inanderen sich sehr verändert, im Ganzen aber ist sie ein Bild des Verfallsvon Anfang bis zu Ende.