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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
Entstehung
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61. Allgeui. Ueberblick über die röm, Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 345

mischen Reiche bis zum J. 476 in kriegerischer Beziehung dargelegthaben, und indem wir das Gesagte beständig im Auge behalten, einenallgemeinen Blick auf den Standpunkt der militärischen Organisation desrömischen Staates, seiner Armee und Truppen, auf die Kriegskunst beiden Römern und auf ihre Kriege in jener Zeitperiode.

Die militärische Organisation des Staates, der Armee und der römi-schen Truppen bietet in dieser Periode zwei Hauptformen dar: 1) die vonAugustuseingesetzte, welche mit einigen theilweisen Abänderungenoder Ergänzungen 3 Jahrh. lang, vom J. 30 v. Chr. bis 284 n. Chr. fortbe-steht, und 2) die von Diocletian angeordnete, und von Con-stantin d. Gr. weiter entwickelte, von 284 und 306 n. Chr. biszum Untergange des Weströmischen Reiches.

Die .Erstere war eine monarchische unter republikanischen, abermehr äusserlichen Formen, die keine Bedeutung mehr hatten, nachdes Augustus Tode ging sie in zügellosen, in der Geschichte beispiel-losen, militärischen Despotismus über. Sie bietet sowohl zu Augustus'Lebzeiten, als auch nach dessen Tode eine sehr interessante Erschei-nung dar.

Das Militärsystem des Augustus bildet in Wahrheit eine Zierde dessogenannten goldenen Zeitalters seiner 44jährigen Regierung inallen Theilen der militärischen Organisation des Staates, der Armee undder römischen Truppen. Die weisen militärischen Einrichtungen desAugustus verdienen in allen diesen Theilen eine gerechte Aufmerksam-keit und Anerkennung. In vollem Maasse sicherten sie die Ruhe undden Wohlstand des Staates im Innern und schützten ihn nach aussen,heilten die Wunden, welche ein ganzes Jahrhundert innerer Bürgerkriegedem Staate geschlagen, brachten die beste Ordnung in das militärischeBefehls- und Verwaltungsweseu, in die taktische und innere Organi-sation des Heeres und der Truppen, und besonders erneuten, belebtenund befestigten sie den Geist in denselben durch Aufrechthaltung dernotwendigen strengen militärischen Disciplin. Dank ihm wurde dasrömische Heer unter Augustus endlich wieder, was es in den besten Zeitender Republik gewesen war, was es. immer und überall sein sollte, dieStütze des Reiches im Innern, und sein Schutz nach aussen, ein Zeichenseiner Macht nur zum Wohle und Ruhme des Reiches, ein Schrecken fürdessen innere und äussere Feinde. Und mit wahrer Würde und Ruhmerfüllte es diese Pflicht gegen den Staat während der ganzen Regierungs-zeit des Augustus, und so ist es hell und leuchtend in die Blätter der Ge-schichte eingetragen.

Der Tod des Augustus aber zerstörte und änderte Alles, und die,44 Jahre lang durch den Verstand und Willen eines Augustus nieder-gehaltene, furchtbare Corruption der römischen Welt im Allgemeinen und