344 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
barbarische Element fangen allmälig zu entarten an, obschon das letzteremehr und mehr christlich wird, aber mit beginnendem sittlichem Verfall.Von den ursprünglichen guten Sitten ist Nichts mehr vorhanden, es sindnur die schlechten geblieben und neue hinzu gekommen. Und auf's Neuekam in beiden Reichen dasselbe Uebel, wenn auch in etwas veränderterForm, zum Vorschein, welches der Fluch und das Verderben dreier Jahr-hunderte gewesen war, — Meutereien, Empörungen, Bürgerkriege, Ver-zagtheit, Feigheit, Treulosigkeit, Meuchelmord, und alle Arten Lasterund Missethaten. Und dies übertrug sich, nachdem es das WeströmischeEeich zu Grunde gerichtet hatte, wie eine Erbschaft auch auf die folgen-den Geschlechter der sogenannten mittleren Jahrhunderte (Jahr-hunderte des Mittelalters) .... Dieses war, ganz allgemein gezeichnet,der Einfluss der römischen Welt, des Christenthums und der Barbarenauf das Heerwesen des römischen Reiches, das in den ersten 4 Jahrb.n. Chr. noch nicht getheilt war, dann aber in dem letzten kläglichen5. Jahrb. in das Ost- und Weströmische Reich zerfiel. Im Einzelnenjedoch waren diesem Heerwesen nicht wenige mehr oder minder helle underquickende Erscheinungen im Verlaufe dieser 5 bemerkenswerthen Jahr-hunderte beigemischt. Die Ehre und der Ruhm dieser Erscheinungen ge-bührt ganz und gar den so leuchtenden und erfreulichen, ausserordent-lichen Persönlichkeiten vieler Kaiser, Feldherren und Kriegsheldenbei den Römern wie bei den Barbaren, Heiden wie Christen, von welchennoch im Besonderen die Rede sein wird.
Zum Schluss sei hier noch erwähnt, dass über den Einfluss der ge-nannten drei Elemente während der ersten 5 Jahrh. n. Chr. in spezifischmilitärischer Hinsicht die Urtheile und Meinungen sowohl der altenheidnischen und christlichen, als, erstaunlicher Weise, auch der neuerenSchriftsteller mehr oder weniger auseinandergehen, ja einander wider-sprechen, entweder einseitig, oder oberflächlich, oder irrig und ungerechtsind, einige der neuesten aber (vorzugsweise aus der zweiten Hälfte des18. und der ersten des 19. Jahrh.) in ihren Anschauungen mehr aufclassisch heidnischem, als auf wahrhaft christlichem Boden stehen.
II. Militärische Organisation, Kriegskunst und Kriege.
§. 432.Militärische Organisation des Staates, der Armeen und Truppen.
Werfen wir nun, nachdem wir von dem höchsten vorzugsweise sitt-lichen Standpunkte aus die gegenseitigen Beziehungen und Einwirkungender römischen Welt, des Christenthums und des Barbarenthums im rö-