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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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61. Allgern. Ueberblick über die röm. Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 343

der entsprechenden Schwäche des römisch-heidnischen Elementes im rö-mischen Heere während der ersten 3. Jahrh. erklären. Darum erscheinenaber auch die einseitigen Urtheile alter wie neuer Schriftsteller, als wennalle Missethaten des römischen Heeres während der ersten dreiJahrhunderte auf dasselbe in seinem ganzen Umfange zurück-geführt werden müssten, nicht aber allein auf das römisch-heidnische Element, das die Macht hatte, unbegründet. DieChristen mit ihrer reinen Moral nahmen, den Gesetzen ihres Glaubens ge-mäss, ausserdem gehasst, verachtet und verfolgt, wie sie es waren, nie-mals und in keiner Weise an diesen Uebelthaten Theil. Von denBarbaren im Allgemeinen kann dasselbe nicht unbedingt gesagt werden,weil sie, obschon von einfachen Sitten, unverderbt und rechtlich, dennochleidenschaftlich den Krieg, Plünderung und Geld liebten und weil sieimmer durch diese beiden ersten Dinge sich fortreissen. für Geld abersich erkaufen Hessen. Ausserdem hassten und verachteten sie ihrerseitsdie Kömer, und wurden sowohl durch ihr Bedürfniss, die römischen Pro-vinzen zu rauben und in denselben Land zu ihrer Niederlassung zu suchen,wie durch eine eigenthümliche unüberwindliche Macht mehr und mehr zueinem Angriffs-, Raub- und Vernichtungskriege gegen das ihnen ver-hasste römische Reich getrieben.

Und so leitete sich das ganze Kriegsübel im römischen Reichewährend der ersten drei Jahrhunderte aus der einzigen verdorbenen undverpesteten Quelle der römisch-heidnischen Welt her, welchenoch immer die höchste politische Macht besass.

Als aber diese Macht in die Hände Constantin's d. Gr., überging,der, obgleich noch nicht Christ, doch den Christen die Freiheit ihres Be-kenntnisses gegeben hatte, da änderte sich Alles, oder wenigstens sehrVieles. Das römische Heer bestand bereits grösstentheils aus Christenund Barbaren, von denen letzteren viele auch schon Christen waren.Diese beiden Elemente erlangten das entschiedene Uebergewicht und denVorrang über das römische Heidenthum und wurden für das Letztere einHemmniss seines verderblichen herrschenden Einflusses. Die römischenArmeen waren vollkommen christliche geworden, und unter denweisen Regierungsmassregeln Constantin's d. Gr. verwandelte sich dasfrühere Kriegsübel in eine neue Wohlthat.

Aber leider dauerte das nicht lange, nur während der LebzeitenConstantin's d. Gr. und später Theodosius d. Gr., im Ganzen also wäh-rend der 31 Regierungsjahre des Ersteren und der 16 des Letzteren, zu-sammen 47 Jahre oder ungefähr ein halbes Jahrhundert von den letzten170 Jahren der Existenz des Weströmischen Reiches. Unter den un-fähigen Nachfolgern derselben, Julian ausgenommen, bietet sich ein voll-kommen anderes, neues und trauriges Bild dar. Das christliche wie das