61. Allgem. Ueberblick über die röm. Kriegsgesch. von Aiigustus bis 476 n. Chr. 341
Gestalt. Erst in weiter Ferne vom Haine legten sie ihre Ketten ab,hoben stolz ihr Haupt empor und wurden wieder freie und kühneMänner*).
§.431.Einfluss dieser drei Elemente zusammengenommen.
Erwägt man mit Aufmerksamkeit die Bedeutung eines jeden dieserdrei bezeichneten Elemente wie deren gleichzeitiges Zusammen- und Ent-gegenwirken in spezifisch militärischer Hinsicht, so kommt man unschwerzu folgendem allgemeinen Schlüsse:
Auf die im höchsten Grade verderbte und sittenlose römische Welthatte vor Allem und mehr als Alles das hehre, reine und leuchtendeChristenthum der ersten und besten 3 Jahrb. desselben einen mächtigenEinfluss. Dieser machte sich in der ungemein raschen Zunahme derChristen im römischen Volke und Heere, sowie durch die Herbeiführungvon Anfängen eines neuen und besseren Lebens mitten in dieselben hinein,geltend, wie dies trotz des Hasses und der Verfolgung der Christen durchdie Heiden stattfand. Je mehr der Hass zunahm, je heftiger die Ver-folgung wurde, desto mehr wuchs auch von Jahrhundert zu Jahrhundert,ja von 50 zu 50 Jahren sowohl die Zahl der Christen in Volk und Heer,wie der segensreiche Einfluss dieser Vermehrung und der hohen christ-lichen Tugenden. Im 2. Jahrb., als schon die Angriffsactionen der nor-dischen Völker gegen das römische Reich begannen, wird in den römi-schen Heeren etwa die Hälfte Heiden, die Hälfte Christen gewesen sein,gegen Ende des 3. und Anfang des 4. Jahrb. wohl über die Hälfte Christen.Aber so lange die heidnische Religion die herrschende war, und dieoberste Gewalt sich in den Händen heidnischer Kaiser und Regierungenbefand, die Christen dagegen gehasst, vertrieben und verfolgt wurden,nur heimlich ihren Glauben üben durften, nur sich untereinander be-kannt waren, so lange war auch ihr Einfluss äusserlich noch unbemerkbar.Zudem war, wie schon oben (§. 429) bemerkt wurde, der Krieg den Gesetzenund Gefühlen der ersten Christen zuwider: aufrichtig und gewissenhaft er-füllten sie ihre Pflichten gegen den Staat und die Regierung, traten, wennes unabweislich war, in den Kriegsdienst, zogen zu Felde, kämpften mitTapferkeit, aber sie waren ein friedliches, nicht ein kriegerisches Volk.Aus allen diesen Gründen bietet das christliche Element im römischenHeere während der ersten 3 Jahrb. den diametralen Gegensatz zu demheidnischen, in sittlicher Beziehung es übertreffend, in politischer und
*) Skizzen aus der Geschichte und den Erzählungen des Volkes. 2. Theil.(Mittlere Geschichte).