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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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340 IV- Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Keiches.

Fürstliche und andere reiche oder vornehme Personen umgaben sichmit einer Schaar von Gefährten (Gefolge, Geleite) aus freigeborenenaber unbemittelten Jünglingen, welche von ihrem Oberhaupte Waffen,Lebensmittel und Beuteantheile erhielten, an allen Kriegs- und bürger-lichen Geschäften, Spielen und Belustigungen desselben theilnahmen,seine Leibwache bildeten, und einen Schwur leisteten, dass sie mit ihmsiegen oder sterben wollten. Traten wichtigere Kriegsunternehmungenein, so verbanden sich mehrere solcher Geleite, wählten sich ihrenobersten Führer oder Herzog und bildeten eine Heermanney, Ari-manie, Armee. Solche Volksheere, welche ihren Namen von ihren Ort-schaften, ihrem Anführer, ihrer Hauptwaffe oder dergeichen hernahmen,erscheinen öfter in der Geschichte als Völkerschaften (Markmannen,Grenzleute, Alemannen, alle Krieger, Franken, Freie, Freiwillige,Hermunduren, Hermann's Männer, Lange-Barden, lange Lanzenu. s. w.). Die Macht oder der Ruhm des Herzogs, der Keichthum dererhofften Beute, das Gelingen des Unternehmens selbst vergrösserten dieStärke der Arimanie, bestärkten die Macht des Führers über sie, undso entstanden, indem das eroberte Land in den Händen der Erobererblieb, neu sich bildende Reiche. Im Fall des Misslingens ging die Heeres-masse aus einander und der Name dieser Arimanie verschwindet dannaus der Geschichte. Bei allgemeinen Volkskriegen waren alle frei-geborenen und volljährigen Jünglinge zur Betheiligung verpflichtet,solche allgemeine Volksaufgebote Wessen Heerbann*).

Die Ureinwohner Germaniens waren die S u e v e n, unter ihnen dasedelste Volk die Semnonen, welche zwischen Elbe und Oder wohnten,und die ihnen benachbarten kriegerischen Longo bar den aus der Alt-mark. Im Lande der Semnonen befand sich das grösste Heiligthum dersuevischen Stämme, der heilige Hain mit der Statue des KriegsgottesOdin. Er galt für den vornehmsten von allen germanischen Göttern,weil er, nach der Ueberzeugung der Germanen, in jedem Kriege den Siegund Beute verlieh, die Thore von Walhalla nur den im Kampfe Ge-fallenen öffnete u. s. w. Es kann daher nicht in Erstaunen setzen, dassdas Leben der freien Sueven in fortwährenden Kämpfen, bald mit wildenThieren, bald mit fremden Völkern bestand. Als höchste Tugendengalten bei ihnen Tapferkeit und Ausdauer in der Schlacht. In grössterEhrfurcht näherten sich die Semnonen wie die übrigen suevischen Stämmedem Haine, welcher dem Odin geheiligt war. Da sie nicht wussten, wiesie ihm besser ihre Verehrung bezeugen könnten, so brachten sie ihmihr höchstes Gut, die Freiheit, zum Opfer und nahten sich diesemheiligen Haine nicht anders, als in Fesseln und in der demüthigendsten

*) Baron Seddeler: Uebersicht der Geschichte der Kriegskunst. 2. Thoil.