61. Allgem. Ueberblick über die röm. Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 337
manischen und slawischen Völkern, von welchen die ersteren, nament-lich die Gothen, der Mehrzahl nach Christen waren. Man kann als wahr-scheinlich annehmen, dass auch unter den an der Donau wohnendenSlawen, welche neben den germanischen Völkern wesentlichen Anth eilan dem Angriffe auf beide römische Eeiche und an der Zerstörung desWeströmischen Reiches nahmen, das Christenthum gleichfalls mehr oderweniger verbreitet war.
§. 430.Barbaren.
Die Römer bezeichneten in ihrem maasslosen Hochmuth alle fremdenVölker ausserhalb der Grenzen des römischen Staates mit dem gemein-schaftlichen Namen Barbaren, was bei ihnen ungebildete Fremdlingebedeutete. Specieller aber wurde die Benennung Barbaren von ihnenvorzugsweise den Germanen beigelegt; die Völker Ost-Europas (diespäteren Slawen) nannten sie allgemein Scythen, was indessen beiihnen mit Barbaren gleichbedeutend war.
So bildeten denn diese Barbaren das dritte wichtige Element,welches einen wesentlichen Einfluss auf die Umformung der hinfälligenrömischen Welt ausübte. Oben (§. 395—402) wurde schon der öffent-lichen Organisation, der Sitten, Gebräuche und des Heerwesens derselbenErwähnung gethan. Zur Ergänzung des Gesagten fügen wir hier nochan: 1) die Darstellung der germanischen Völker, ihrer Sitten und Ge-bräuche durch Tacitus [De situ, moribus et populis Germcmiae), und2) eine Schilderung der germanischen Völker und des wichtigsten der-selben, der Sueven, nach den neueren germanischen Schriftstellern.
Dem Tacitus verdanken wir eine sehr vollständige und zusammen-hängende Darstellung des Wesens und der Eigenthümlichkeiten der Ger-manen in der 2. Hälfte des 1. und in der 1. Hälfte des 2. Jahrh. n. Chr.Bei Abfassung seines Werkes hatte er die Absicht, in übersichtlicherWeise den Gegensatz zwischen den unverderbten Sitten dieses Volkes inseiner Naturwüchsigkeit und der Verderbniss der Römer hervor zu hebenund an der Art dieses starken, zwar ungebildeten, aber nicht wildenVolkes gleichsam wie in einem Spiegel die ganze Nichtigkeit und Ver-werflichkeit des raffinirten Lebens der Römer zu zeigen. Darum stellter j'edem römischen Laster eine germanische Tugend gegenüber, und seinZeugniss verdient, — als das eines Römers —, um so mehr Glauben undBeachtung. Ausserdem kann seine Beschreibung in grösserem oder ge-ringerem Maasse auch auf alle Völker Nordeuropas überhaupt übertragenwerden, wie auf die westlichen so auch auf die östlichen, welche sich zu
Grulitzin, Allgera. Kriegsgeschichte. I, 5. 22