336 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
Maxentius, die Aufpflauzung des christlichen Paniers (labarum) durch ihnund die Weihung der Feldzeichen, Helme und Schilde der Soldaten mitdem Kreuze und dem Monogramme des Namens Jesu Christi erwecktenin dem Heere Constantin's, in welchem viele Christen standen, solchereligiöse Begeisterung, dass es die doppelt so starke heidnische Armeedes Maxentius siegreich überwand und als triumphirendes christlichesHeer in das heidnische Rom einzog, welches nun sofort zu einem christ-lichen umgewandelt wurde, wie dies Alles früher |§. 410) erzählt wurde.Im weiteren Verfolge gab Constantin den Christen in der ganzen Aus-dehnung des römischen Reiches volle Freiheit ihres Bekenntnisses undgründete, nach Besiegung aller Nebenbuhler und Gegner, in Byzantiumeine neue christliche Hauptstadt, Neu-Rom oder Constantinopel,welche er dem Christengotte weihete, berief das erste öcumenische Concil,ordnete die Angelegenheiten der Kirche und liess sich vor seinem Todeim J. 337 taufen. Von diesem Zeitpunkt ab war der christliche dreiJahrhunderte lang grausam verfolgte Glaube der siegende und herr-schende geworden im römischen Staate, Volke und Heere.
Dennoch war derselbe in der Folge noch grossen Missständen aus-gesetzt. Kaum war ein halbes Jahrb. nach dem Tode Constantin's d. Gr.verflossen, so musste schon ein Johannes Chrysostomus von derKanzel herab öffentlich die Laster der Kirche verdammen, die fast denheidnischen gleichkamen, nicht allein im Volke und Heere, son-dern hauptsächlich auch in den vornehmen Ständen, am Hofe des Kaisers,ja sogar in der Geistlichkeit! Eine traurige Thatsache in der Geschichtedes gesunkenen Menschengeschlechtes! Die Reinheit der christlichenSitten und Gebräuche in den 3 Jahrb.. der Verfolgung war schon in denfolgenden 1 \' 2 Jahrhunderten nach der Befreiung des Christenthums einerMischung dieser Sitten und Gebräuche mit heidnischen gewichen. Dieswirkte auch auf das Heerwesen in beiden römischen Reichen, auf derenHeere und Truppen wie auf die Befehshaber und Offiziere, ja sogarauf die Kaiser selbst zurück, ausgenommen die besten und würdigsten.Die Christen ergaben sich hier wie dort den Leidenschaften und begingennicht sowohl christliche als vielmehr heidnische Thaten und Handlungen,wie sie in der römischen Welt in früher geschilderter Weise üblich waren.Und in diesem Zustande trat das Christentbum mit Ausnahme desMönchsthumes, das seit Constantin d. Gr. und nach dessen Tode sichentwickelt; nach dem Untergange des Weströmischen Reiches auch in dieauf den Trümmern desselben entstehenden neuen christlichen Reicheüber. Denn, muss man hinzu setzen, im 1. und 5. Jahrh. hatte dasChristentbum sich auch weit über die Grenzen des römischen Reicheshinaus ausgebreitet, unter den von den Römern Barbaren und Scythen(nach dem Worte des Apostel Paulus) genannten Völkern, d. h. den ger-