61. Allgem. Ueberblick über die rüm. Kriegsgesch, von Augustus bis 476 n. Chr. 335
knüpft war, in welchem Falle sie das elterliche Haus verliessen, ja sichsogar Züchtigungen und Foltern aussetzten. Die freundschaftlichen Be-ziehungen zwischen Christen und Heiden wurden nicht abgebrochen,sondern nur durch das Betragen der Ersteren geheiligt, welche die Be-kehrung der Letzteren herbeizufuhren trachteten. Dabei enthielten inheidnischen Häusern sich die Christen des Genusses der dem Dienste derGötter geweihten Speisen: Fleisch und Wein, Thierblut und andererNahrungsmittel.
Vollständig aber war die Aenderung, welche das Christenthum indem Verhältniss zwischen Sklaven und Herren herbeiführte, indem es dieEinen wie die Andern vor Gott zu gleichen Kindern Gottes machte undden Sklaven die innere Freiheit gab, wenn auch die äusserlichen Ver-hältnisse dieselben blieben. Der Sklavendienst von Christen bei Heidenerstreckte sich nur so weit, als er dem christlichen Glauben nicht zuwider-lief. So wurden denn auch christliche Sklaven bei Christen wie Gliederder Familie gehalten, bei Heiden aber dienten sie treu und ehrlich.
Endlich hatte das Christenthum auch die Begriffe von der äusserenSchniückung des Körpers, welche bei den heidnischen Bömern zu argemMissbrauch geführt hatten, vollkommen umgewandelt. In diesem Sinnesich zu schmücken war den Christen verboten, ihnen vielmehr nur einehöchst bescheidene einfache Kleidung erlaubt, welche nicht sowohl denKörper verschönern, als die Gesundheit conserviren sollte, und zwar galtdies für Männer wie für Frauen. Besonders aber war ihnen untersagtjegliche körperliche Schniückung, welche mit heidnischen Formen undGebräuchen in Zusammenhang stand (z. B. Kränze auf dem Haupte zutragen, Gesicht und Haar zu salben, den Männern sich die Haare zuschneiden, den Bart zu rasiren u. s. w.).
Dies war im Allgemeinen das Verhalten der Christen in Bezug aufdie Heiden in den ersten und besten 3 Jahrb. n. Chr. Man kann sichhieraus eiuen deutlichen Begriff machen, welcher Art das Christenthumzu jener Zeit inmitten der Heiden im römischen ßeiche überhaupt und imrömischen Heere speciell gewesen. Besonders im Heere war, bei derausserordentlich raschen Ausbreitung des Christenthums, die Zahl der.noch heimlichen, Christen mit jedem Jahrhundert gewachsen, sie bildetenzu Ende des 3. Jahrh. bereits einen grossen Bestandthcil aller Heere.Unter diesen Heeren war es das gallische, britannische und hispanischezu Anfang des 4. Jahrb., unter Constantius Chlorus und dessen SohneConstantin, welche den Christen wohlgesinnt waren und sie schützten,wo diese zuerst grosse Freiheiten bei Ausübung ihres Gottesdienstes er-langten und ihren Glauben ohne Gefahr bekennen konnten. Die wunder-bare Bekehrung Constantin's zum Christenthum, zu welchem er sich sogartaufen Hess, im J. 312 nach dem Feldzuge in Gallien und Italien gegen