61. Allgem. Ueberblick über die rüm. Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 333
Aeusserungen der Freude an den öffentlichen heidnischen Feiern undFesten und den verschiedenen dabei üblichen heidnischen Gebräuchen.Uebrigens gab es unter den Christen auch solche, welche die Annahmevon öffentlichen Aemtern für sich erlaubt hielten. Daher war auch unterihnen kein Mangel an Beamten aller Art, als Senatoren, Präfekten, Tri-bunen, Quästoren, Consuln, ja an Höflingen, Vornehmen und Adeligen.Was den Kriegerstand anbetraf, so machten die ersten Christen bei dem-selben mehr Schwierigkeiten, als bei den bürgerlichen Aemtern. Ausser-dem, dass der Kriegerberuf den Christen die unerlässliche Theilnahmean einigen heidnischen Gebräuchen auferlegte, schien derselbe ihnen auchunverträglich mit dem Geiste ihres Glaubens, welcher ihrer Ueberzeugungnach überall Frieden und Eintracht einführte, und Allen lehrte, friedlichund einträchtig beisammen zu leben. Da es ihnen schliesslich aber un-möglich war, sich ganz dem Kriegsdienste zu entziehen, so verurtheiltensie auch diejenigen nicht, welche, wenn sie Soldaten geworden waren,diesem Berufe treu blieben, so lange er nicht ihrem Glauben Gewalt an-that. Standen sie einmal im Heere, so erfüllten sie ihre Pflichten eifriger,treuer und weit nutzbringender, als die Heiden. Und sie dienten imHeere nicht vereinzelt oder in geringer Zahl: es gab christliche Legionen.Wie viel Nutzen dem Marc Aurel in dem Feldzug gegen die Germanendie D 0nn er 1 egi 0n [legio fulminatrix) gebracht hatte, das erkanntenselbst die Heiden an. Und eine andere christliche Legion, die theba-n i s c h e [legio thebanä) erduldete insgesammt, dem Beispiele ihres Prä-fekten Mauritius folgend, unter dem Kaiser Maximianus Herculius, demMitregenten Diocletian's, die Folter und den Tod. Wenn sich aber dieersten Christen bisweilen des Kriegsdienstes weigerten, so lag dies darin,dass die Heiden sie zwingen wollten, ihrem Glauben zu entsagen und anheidnischen Ceremonien Theil zu nehmen (so z. B. die Märtyrer: derCenturio Gordius unter Diocletian, der Tribun Urpasianus unter Maxi-mian, der Centurio Marcellus unter Galerius, u. v. A.). Mit den Heidenin denselben Städten und Dörfern lebend, theilten die ersten Christen mitihnen nicht den Hang zu sinnlichen Genüssen, auch mit einigen derselbennicht die Abwendung von der ganzen Welt und von den erlaubten Ver-gnügungen in derselben, sie hielten vielmehr die verständige Mitte innezwischen diesen Extremen, indem sie massig und enthaltsam waren, undsich demüthig den Gefühlen der Liebe und den geistigen Freuden undGenüssen hingaben. Dem entsprechend mieden sie weder die Beziehungenzu den Heiden, noch Industrie und Handel, hielten sich aber stets in denGrenzen ihrer Glaubensvorschriften. Die Heiden aber blickten in dieserHinsicht auf die Christen wie auf ein Volk, das die Welt nicht liebe, fürdieselbe abgestorben und nutzlos sei. Auf diese Verläumdüngen ant-worteten die Christen mit Ehrenhaftigkeit, Rechtlichkeit, Mangel an