332 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
Dessen ungeachtet hassten die Kaiser und die römischen heidnischenRegierungen die ersten Christen und verfolgten sie im Heere wie im Volkeohne Unterschied auf die grausamste Weise. Die Christen bewiesen inder Zeit dieser Verfolgungen eine seltene Aufrichtigkeit und hochherzigeStandhaftigkeit, vereint mit staunenerregender Einsicht, und waren aufdiese Weise, soweit wie möglich den Geboten der Kaiser gehorsamend.beständig bemüht die Gesetze ihres Glaubens und ihrer Moral unverletztaufrecht zu halten. Wie viele giebt es nicht solcher Beispiele von Seitender Christen in allen Schichten und Ständen ohne Unterschied des Altersund Geschlechtes, im Volke sowohl — vom einfachsten Landmann bis zudem vornehmsten Senator und Würdenträger, wie im Heere — vom ge-meinen Soldaten bis zu den höchsten Offizieren hinauf! Mit Seelen-Gleichmuth die grausamsten Foltern von den Heiden ertragend, zeigtendie ersten Christen eine ungewöhnliche Sanftmuth und Milde gegen ihreVerfolger, denen sie nicht nur keinUebles, sondern noch Gutes erwiesen.Stets auf die öffentliche Ruhe bedacht, suchten sie auch zur Zeit der Ver-folgung dieselbe auf alle Weise in den Provinzen aufrecht zu erhalten.wo sie verfolgt wurden.
2) In Bezug auf das öffentliche Leben zeigten sie in ihremVerhältniss zu den Heiden eine beständige Liebe zu denselben und Wohl-thätigkeit aller Art, waren auch auf jede Weise bemüht, in Friede undEintracht mit denselben zu leben. Von ihrer Jenen bewiesenen Gast-freundlichkeit zeugt u. A. ein Vorfall aus dem Leben des heiligen Pacho-mius. In jungen Jahren diente er als Heide im römischen Heere: einstfuhr er mit seiner Legion über See und landete bei einer Stadt, wo ersich über das Entgegenkommen der Bewohner höchlichst verwunderte,welche die Soldaten so herzlich aufnahmen, als ob sie ihre alten Freundewären. Auf des Pachomius Frage, was das für Leute seien, erhielt erdie Antwort, dass sie sich zu einer besonderen Religion bekennten, welchedie christliche heisse. Nun regte sich in Pachomius der Wunsch, dieLehre derselben kennen zu lernen, und damit war der Anfang seiner Be-kehrung gemacht. Namentlich zu Zeiten allgemeinen Unglücks, beiHungersnöthen. Krankheiten, Seuchen, Feuersbrünsten, Ueberschwem-mungen, Kriegen u. s. w. erwiesen die ersten Christen den Heiden ihreWohlthätigkeit. Sie Hessen sich auch in diesen offen oder heimlich undbei jeder Gelegenheit vollbrachten Wohlthaten weder durch Zeit, nochdurch Ort oder äussere Umstände beschränken.
Was die verschiedenen öffentlichen Pflichten, Aemter und Vergnü-gungen in dem bürgerlichen und militärischen Leben der heidnischenRömer anbelangt, so hielten sich die Christen von denselben fern, alsunvereinbar mit den Regeln ihres Glaubens und im Zusammenhangestehend mit der Ablegung eines heidnischen Eidschwures oder mit