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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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331
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61. Allgem. Ueberblick über die röm.Kriegsgesch. von Augustus bis 470 n. Chr. 33 J

Anfänge des Lebens und auf das Verhalten der ersten Christen inmittender heidnischen Welt überhaupt und der römischen insbesondere kanneinen Begriff geben von dem Einflüsse dieses Lebens auch in specifischmilitärischer Hinsicht und mitten unter den römischen Soldaten.

1) In Bezug au fden Staat. Die ersten Christen, im Volke wieim Heere, befanden sich niemals unter den Aufrührern gegen die Kaiser,sondern gehorchten ihnen im Gegentheil gern, erwiesen ihnen aufrichtigeEhrfurcht und beteten für sie, denn sie sahen in denselben die von Gotteingesetzte Obrigkeit. Niemals gehörten sie zu den offenen oder ge-heimen Feinden der Kaiser oder ihrer Kegierungen, noch zu den Ueber-tretern der Gesetze für die öffentliche Wohlfahrt. Die Heiden dagegenhielten die Christen stets für Feinde der Kaiser und für Empörer, das waraber eine heidnische Lüge, wie sie das Heidenthum überhaupt, das rö-mische aber besonders vollkommen erklärlich machte, während für dasChristenthum Wahrheit und Eecht ein Gesetz des Glaubens und Ge-wissens war. In Bezug auf die Christen, im Volke sowohl wie im Heere,sind die Worte Tertullian's in seinem Apologeticus bemerkenswerth:»Wenn wir, statt durch Stillschweigen uns zu rächen, uns als offeneFeinde hätten verhalten wollen, so würde esunswederanMacht,noch an Truppen gefehlt haben. Die Mauren, Marcomannen,Parther und andere Völker, ausserdem in ihre Grenzen eingeschlossen,sind nicht so zahlreich wie unsere Nation (d. h. die christliche),deren Grenzen die ganze Welt sind. Wie hätten wir nicht fähigsein sollen zu kämpfen, selbst bei ungleichen Kräften, zu einer Zeit, wowir so gern bereit waren zu sterben , wenn wir uns nicht zur Regel ge-macht hätten, dass es besser sei, den Tod zu ertragen, als Andere zutödten? Ohne sogar zu den Waffen zu greifen, ohne zur Empörung zuschreiten, hätten wir Euch besiegen können schon dadurchallein, dass wir uns von Euch trennten.« Unfähig Aufruhr undEmpörung zu stiften, nahmen die ersten Christen auch nie an Verschwö-rungen gegen die Kaiser Theil. Im Gegentheil waren sie mehr als alleAnderen bemüht zur allgemeinen Buhe im Volke wie im Heere beizu-tragen. Sie erwiesen der heidnischen Regierung und Obrigkeit alle Ehre,gehorchten ihnen in Allem, was sich nicht auf den Götzendienst bezog,und zwar nicht nur äusserlich oder sklavisch, sondern aus freiem An-triebe , willig und aufrichtig, nicht aus Heuchelei, Schmeichelei oderFurcht, sondern aus aufrichtigem Herzen und in voller Erkenntniss ihrerPflicht. Sie beteten zu Gott nicht nur für die Kaiser, sondern für dasganze Reich, dessen Bewohner und deren Wohlergehen. Nur in einemStücke gehorchten sie nicht, nämlich in der gesetzlichen Begehungheidnischer Ceremonien, welchem sie die allergrausamsten Qualen undden Tod verzogen.