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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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330 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

ja noch weit unter diese herab. Vergeblich waren einerseits die bis zuunmenschlicher Grausamkeit gesteigerten Strafen für militärische Ver-gehen und Verbrechen, und andererseits die maasslosen Belohnungen inGeld und kostbaren Gegenständen, Befreiungen von Abgaben und Vor-rechte. Nichts konnte mehr der Seuche eine Grenze setzen, welche dasrömische Heer, wie die ganze römische Welt besonders in den höherenSchichten ergriffen hatte. und die sich immer weiter und heftiger aus-breitete, Nichts vermochte wiederzubringen was unwiederbringlich ver-loren war. Der ungemein tiefe sittliche Verfall des Heeres wie des ge-sammten römischen Volkes Hess dasselbe nicht mehr eine Stütze undSchutzwehr des Staates bleiben, sondern musste es vielmehr zu eineminneren Feinde des Reiches machen, der unvergleichlich gefährlicherwar, als alle äusseren und furchtbaren Feinde des Reiches in dieserfinsteren Zeit.

§ 429.Christenthum.

Wenden wir uns nunmehr zu den beiden mächtigen Gewalten, welchedie Vorsehung zur Umbildung und Erneuerung der alten heidnischenWelt überhaupt, und der römischen insbesondere, bestimmt hatte, undsehen wir uns deren Einwirkung gleichfalls speziell in Bezug auf dasKriegswesen näher an.

Im 31. Jahre der Regierung des Augustus war jenes grosse Welt-ereigniss eingetreten , welches der Ausgangspunkt einer Erneuerung desmenschlichen Geschlechtes wurde. die Geburt Jesu Christi zuBethlehem in Judäa, der durch seine dreijährige Lehre und Predigt inJerusalem,-Judäa und Galiläa, durch seinen Kreuzestod und Auferstehungden Grund zu einer neuen göttlichen Lehre und zum christlichen Glaubenlegte. Diese, durch seine Jünger, die Apostel, inallenEndenderWelt, d. h. der damals bekannten Welt verbreitete Lehre hatte, trotzder grausamen und schrecklichen Verfolgung derselben durch die heidni-schen römischen Kaiser und Regierungen, während der 3 ersten Jahrh.n. Chr. überall, in allen Ständen und Klassen ohne Unterschied desAlters und Geschlechtes, und somit auch in dem römischen Heereso viele Anhänger gefunden, dass sie der alten mehr und tiefer sinkendenReligion bereits eine neue und bedeutende Macht entgegengesetzte. Im ent-schiedensten Gegensatze zu den heidnischen Lastern leuchteten die wahr-haft christlichen Tugenden Derer, welche der Lehre Christi nachfolgten,nach dem zutreffenden Ausdrucke der christlichen Schriftsteller dieserZeit ;Origines, Justinus, Tertullian u. A.) hervor »wie ein Licht in derFinsterniss, wie das Licht der Welt«. Ein kurzer Blick auf die sittlichen