(il. Allgem. Ueberblick über die röm. Kriegsgeseh. von Augustus bis 476 n. Chr. 329
Weichlichkeit und Sittenverderbniss des Orients, zur Erschlaffung dermilitärischen Disciplin und Ordnung. Die Bürgerkriege seit 134 v. Chr.gaben einen weiteren harten Stoss und hatten in dem Zeitraum von100 Jahren bis zu Augustus die römischen'Heere vollkommen umge-staltet, so dass anStelle der altrömischen kriegerischen Tugenden, vorallen der strengen Mannszucht, die vollkommen entgegengesetzten Laster,besonders Willkür und meuterischer Geist getreten waren.
Durch seine Verbesserungen, seine weisen Einrichtungen und derenenergische Aufrechthaltung und Durchführung hatte Augustus währendseiner 44jährigen Regierung der Zersetzung und Verderbniss des Heereseine Schranke gesetzt und aus demselben das gemacht, was das Heersein soll, — nach dem schönen Ausspruch Friedrich's d. Gr., — dasFundament von dein Ruhm und der Conservation des Staates(Instruction an seine Generale).
Aber nach dem Tode des Augustus brach das alte Uebel, dessenWurzel schon in den Bürgerkriegen lag, auf's Neue hervor und erlangtesolche furchtbare Höhe und Macht, wie sie bis dahin die Geschichte,selbst nach dem Tode Alexander's d. Gr. im Orient nicht gekannt hatte.Das Beispiel gaben , noch zu des Tiberius Zeit, die Prätorianer, indemsie sich nicht zu den Wächtern der Person des Kaisers, sondern zu derenunbeschränkten Tyrannen und Herrschern, zu einer Pestbeule, Drohungund Schrecken für den Staat machten, so lange bis sie von Diocletian be-seitigt wurden. Aber ihr Beispiel hatte auch die Legionen angesteckt,welche in den Provinzen und an den Grenzen standen, wo sie, gleich denPrätorianern in Rom, sich das Recht anmaassten, Kaiser zu ernennenund abzusetzen, Ersteres für Geld, Letzteres durch Ermordung. Miterschreckender Schnelligkeit und Gewalt nahmen von Jahrhundert zuJahrhundert, ja von Jahr zu Jahr im Heere die abscheulichsten Lasterzu, welche den vollkommensten Gegensatz zu den altrömischen Tugendenbildeten, den Namen des Heeres beschimpften und es, statt zu einemSchutze, zu einer Pest, zum Verderben des Staates machten Sittenver-derbniss, Müssiggang, Trägheit, Lüderlichkeit. Verweichlichung, uner-messliche Geldgier und Beutesucht, Plünderungssucht. Lust am Ver-heeren und Morden, und zugleich dabei Hang zu Aufruhr, freche Willkür,Ungehorsam gegen die Gesetze, Verachtung der Heiligkeit von Eidund Pflicht, Meineidigkeit, Treulosigkeit. Hinterlist, dabei Feigheit undMuthlosigkeit vor dem Feinde, mit einem Worte die rohesten thieri-schen Instinkte und die niedrigsten gemeinsten Triebe und Leiden-schaften des Menschen beseelten selbst die eigentlichen römischenTruppen, d. h. diejenigen, welche aus römischen Unterthanen, besondersaus städtischer Bevölkerung und vor Allem aus dem niedrigsten PöbelRoms zusammengesetzt waren, und setzten sie auf die Stufe von Räubern,