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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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328 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

ständige Ringen und einander Entgegenwirken dieser 3 Elemente machtaus diesem Zeitabschnitt die Periode des Ueb er ganges aus der altenin eine neue Welt, er enthält, wenn auch noch im Keime, alle An-fänge des neuen Lebens in der Welt überhaupt, vorzugsweise aber in dereuropäischen Welt. Umgebildet und erneut durch die beiden mächtigenGewalten, Christenthum und Barbarenthum, trat die alte heidnischeWelt,nachdem sie ihre Zeit vollbracht,die Frucht ihrer durch 25 Jahrb. sicherstreckenden Thätigkeit als naturgemässe Erbschaft an die Menschen-geschlechter der folgenden Jahrhunderte des Mittelalters ab. Undnoch lange nachher machte ihr Einfluss auf die neue Civilisation Europaswie auf alle Seiten des neuen öffentlichen Lebens in Europa sich mächtigfühlbar.

Bei dem innigen Zusammenhange dieses gesammten Lebens mit demganzen Heerwesen machten sich auch bei letzterem alle Einwirkungender verfallenden und sich zersetzenden alten heidnischen Welt, und derdiese umbildenden Faktoren, Christenthum und Barbarenthum, geltend.Deshalb ist es auch ebenso interessant wie lehrreich, einen kurzen Blickauf diese verschiedenen Einflüsse und vor Allem auf die römische Weltin der Periode von Augustus bis zum Untergange des WeströmischenReiches zu werfen.

Die römische Welt hatte unter der Regierung des Augustus die höchsteStufe ihrer geschichtlichen Entwickelung erreicht, die gesammte Civili-sation des heidnischen Alterthums in sich concentrirt, und damit zugleichauch den höchsten Grad ihrer Corruption und ihrer Auflösung erreicht,über welchen hinaus zu gelangen unmöglich war. Ohne den Einflussdieser Verderbniss und Zersetzung auf das Staatswesen und öffentlicheLeben, auf den geistigen und sittlichen Standpunkt der Römer dieser Zeitnäher zu beleuchten, wenden wir unsere Aufmerksamkeit ausschliesslichjenem Einflüsse auf das gesammte römische Kriegswesen während derletzten 4 Jahrh. des Alterthums zu.

Rom, dieses anfangs kleine, zügellose kriegerische Gemeinwesen,verdankte in den ersten 552 Jahren nach seiner Gründung (752200v. Chr.) seine unglaublichen Erfolge, ausser seinen vortrefflichen mili-tärischen Einrichtungen, der Einfachheit, Reinheit und Strengeseiner Sitten, seinem ausgezeichneten kriegerischenGeiste, und seiner ausserordentlich, strengen militäri-schen Disciplin. Aber schon nach dem zweiten punischen Kriegebegannen, in dem Maasse wie die Römer die Erfolge ihrer Waffen ausser-halb der Grenzen Italiens nach dem Osten, nach Griechenland, Mace-donien, und weiter nach Asien hinein zu tragen anfingen, in den kriege-rischen Sitten und Gebräuchen sich allmälig mehr oder minder wichtigeVeränderungen zum Schlechteren einzuschleichen, zur Habsucht, Luxus.