Gü. Die wichtigsten Kriege und Feldzüge der Körner in dieser Periode. 323
Ränke Riciiner's gegen ihn, sich zum obersten Truppenbefeklshaber inGallien im Namen des römischen Senates und Volkes, und zum offenenFeinde des Severus und Ricimer. Schon schickte er sich zum Einmarschin Italien mit einem starken Heere an, als Ricimer, um die Gefahr abzu-wenden, Theoclorich gegen Abtretung von Narbo bewog, den Egidiusmit Krieg zu überziehen. Auch die Burgunder erhoben sich gegendie Franken, ihr König Gondiac erhielt den Titel eines Reichsfeldherrnund mehrere Städte in der Nähe der Rhone. Egidius dagegen trat in einBündniss mit den Alanen, Armorikern , Anglo-Sachsen, und sogar mitGenserich, welcher die Römer von der Seeseite her anzugreifen ver-sprach,
An den Ufern des Liger (Loire) nahe bei Aurelianum (Orleans) kames zwischen Franken und Westgothen zur Schlacht, in welcher Egidiusdie Westgothen besiegte, deren Führer Friderich fiel. Zu gleicher Zeitward Geiiserich von Sicilien zurückgewiesen, und Ricimer trug einen so■entscheidenden Sieg über die in Italien eingedrungenen Alanen davon,dass sie mit ihrem Anführer fast alle aufgerieben wurden.
Das Alles aber konnte dem unglücklichen abendländischen Reichenicht im Geringsten mehr nützen. In Folge der mehr und mehr zuneh-menden Unruhen, Unordnungen und Zerstückelungen ging es mit raschenSchritten seinem endlichen Untergänge entgegen. Inmitten dieserschwierigen Umstände starb Severus im J. 465, wie man glaubt von Ri-cimer vergiftet, und der Thron des Weströmischen Reiches blieb iy 2 Jahrlang unbesetzt. Ricimer, dessen Macht sich weder Senat noch Volk wider-setzen konnten, herrschte unumschränkt über das Reich. Die Barbarenfürchteten seinen Namen, und nur die Vandalen hörten mit ihren Ein-fallen an den Inseln und Küsten Italiens nicht auf. Ricimer beschlossihr Reich in Afrika zu zerstören und hatte schon eine grosse Flotte aus-gerüstet, mit welcher er sich nach Afrika überzufahren anschickte, aberheftige Stürme hinderten ihn daran (466).
Endlich sah er selbst ein, dass man unmöglich länger diese Lage er-tragen könne, und so überliess er es Leo L, einen Kaiser für das Abend-land zu ernennen. Leo traf eine sehr glückliche Wahl, indem er denSchwiegersohn des Marcian, Anthemius zum Augustus ernannte,welcher im J. 467 mit einem Heere und Schatze in Rom eintraf, mit Jubeldaselbst empfangen wurde und. zur Befestigung des guten Einvernehmensmit Ricimer, diesem seine Tochter zur Gemahlin gab.
Die seit dieser Zeit zwischen beiden Reichen bestehenden freund-schaftlichen Beziehungen führten bald zur Erneuerung des unter Majoriannicht zur Ausführung gelangten Planes gegen die Vandalen. Genserichselbst gab den Anstoss dazu: nach wiederholter Verwüstung der Inselnund Küsten Italiens trieb eres ebenso an den Inseln und Küsten Griechen-
21*