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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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322 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

Im J. 460 ging Majorian mit seinem Heere über die Pyrenäen undwar bis zum heutigen Saragossa gelangt, auf dem Wege nach Cadix, woseine Truppen sich auf der Flotte einschiffen sollten, als Genserich, durchdas Unternehmen Majorian's geschreckt, ihm Friedensanträge machte.Majorian wies diese von sich, und nun verheerte Genserich Mauretanien,vernichtete alle Lebensmittelvorräthe, vergiftete selbst die Quellen, undwuaste durch Bestechungen mehrere römische Flottenführer dahin zubringen, dass sie ihm einen Theil ihrer Schiffe überliessen. Hierdurchwurde Majorian's Unternehmen vollständig vereitelt, er sah sich ge-nöthigt über die Pyrenäen zurück zu gehen und in Arelate neue Schiffezu bauen.

Im J. 461 hatte eine zweite Gesandtschaft Genserich's an Majorianbereits mehr Erfolg, es kam zu einem neuen Vertrage zwischen ihnen.Aber der Misserfolg des Unternehmens Majorian's bot in seinen Folgendem Kicimer einen Anlass, letzteren der Unfähigkeit des von ihmselbst erwählten Majorianus zuzuschreiben, welcher wegen der Energieseines Charakters und der Achtung des Heeres vor ihm nicht, wie Ricimeres gewollt und gehofft hatte, von diesem abhängig sein konnte. Majorianwurde daher am 2. August 461 gezwungen dem Throne zu entsagen, undstarb 5 Tage danach, wie man annimmt, eines gewaltsamen Todes.Während dreier Monate herrschte Kicimer nun allein im Reiche, im No-vember aber desselben Jahres wählte er einen gewissen Vibius Se-verus zum Kaiser, einen ganz unbedeutenden Menschen von unbekannterHerkunft. Der Kaiser des Ostreiches, Leo L, erkannte den Severus nichtan, suchte aber Genserich zur Einstellung seiner Plünderungen in Sar-dinien, Sicilien und an den Küsten von Italien zu bewegen. Allein Gen-serich fuhr trotz aller Vorstellungen und ohne sich um die früheren Ver-träge zu kümmern mit seinen Verwüstungen fort.

Im J. 462 suchte Ricimer, der den tapferen Grafen Marcellinusfürchtete, welcher, noch von Majorian in Sicilien eingesetzt, dieses Landtapfer gegen die Vandalen vertheidigt hatte, durch Bestechung die ost-gothischen Soldtruppen des Marcellinus zum Abfalle von diesem zu be-wegen. In Folge dessen ging Marcellinus persönlich nach Dalmatien,erklärte sich zum unabhängigen Beherrscher desselben und hatte sichbald so verstärkt, dass er dem Ricimer grosse Gefahr drohte. Aber derAbfall des Egidius in Gallien und die fortgesetzten Einfälle der Vandalenmachten es Ricimer unmöglich, eineu Krieg gegen Marcellinus zuunternehmen. In Folge dessen suchte er die Vermittelung Leo's L, umMarcellinus zum Gehorsam zurück zu bringen. Der Letztere aber ver-sprach nur, gegen beide Reiche keine Feindseligkeiten auszuüben, solange sie ihn im ungestörten Besitze von Dalmatien belassen würden.

Zu derselben Zeit erklärte Egidius in Gallien, aufgebracht über die