00. Die wichtigsten Kriege und Feldziige der Kömer in dieser Periode. 321
Thron (am 1. April 457) sich desselben weit würdiger erwies, als Ricimeres erwartet hatte. Den Letzteren ernannte er zum Oberbefehlshaber überalle Truppen.
Kaum hatte er sich auf dem Throne befestigt, als im J. 458 einSchwärm von Vandalen und Mauren, von Afrika an den campanischenKüsten landend, die reiche Gegend zwischen Liris und Vulturnus zuplündern begann. Majorian entsendete sogleich ein römisches Truppen-corps gegen sie, welches sie besiegte und mit grossem Verluste zur Ein-schiffung und Rückkehr nach Afrika zwang. Aber das einzige Mittel,diesen räuberischen Einfällen von Afrika her ein Ende zu machen, wardie Vernichtung des Vandalenreiches daselbst. Dies erklärte der morgen-ländische wie der abendländische Hof ganz offen; ehe aber Majorian nochdazu schreiten konnte, sah er sich genöthigt, die Ruhe in Gallien herzu-stellen, wo Theodorich II. mehrere Völker zum Aufstand gegen die Rö-mer aufgereizt hatte; selbst die Sucvcn hatte er herbeigerufen und einBündniss mit Genserich geschlossen. Arelate ward von Theodorich be-lagert, der Präfekt Egidius aber zwang ihn die Belagerung aufzuheben.
Während dessen hatte Majorianus die Angelegenheiten in Italiengeordnet und eine Armee zusammengezogen, und brach nach Gallienauf, von wo er nach Hispanien zu gehen und von da nach Afrika überzu-setzen beabsichtigte. In seinem Heere befanden sich ausser römischenTruppen noch viele Bastarnen, Sueven, Hunnen, Rugier, Burgunden, Ost-gothen, Alanen und Sarmaten, mit einem Wort Barbaren, — und zwarweit mehr als Römer. Trotz der späten Jahreszeit (Herbst 458) über-stieg er die mit Schnee bedeckten Alpen, indem er durch sein eigenesBeispiel strenge Disciplin in seinem Heere aufrecht hielt.
In diese Zeit fällt ein Ereigniss in Gallien, welches diese Zeitepochescharf kennzeichnet und nur in ihr vorkommen konnte. Die im nörd-lichen Gallien bereits vollkommen festsitzenden Franken hatten ihrenKönig Childerich um seiner zügellosen Ausschweifungen willen ver-jagt und den römischen Feldherrn Egidius zum König gewählt!— Dieser Letztere vereinigte somit mehrere Jahre hindurch in sich dieWürde eines Königs der Franken mit der Stellung eines rö-mischen Feldherrn! Majorian, wie es scheint zu ohnmächtig, um anStelle des Egidius einen König der Franken zu ernennen, begnügte sichwährend des Winters 458—459 damit, der Stadt Lugdunum ihren altenGlanz und Ruhm wiederzugeben, im Frühjahr 459 begab er sich nachArelate, wo sein Heer bereits versammelt war. Gleichzeitig wurde inden Häfen von Aquileja, Ravenna und Misenum eine Flotte von 300Kriegsschiffen ausgerüstet. Eine dem Theodorich durch die Römer inSüdgallien beigebrachte Niederlage zwang diesen, sich von dem Bünd-niss mit Genserich los zu sagen und ein solches mit Majorian zu schliessen.
Gtalitzin, AUgem. Kriegsgeschichte. I, 5. 21