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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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60. Die wichtigsten Kriege und Feldzüge der Römer in dieser Periode. 319

Sterblichkeit ausbrachen. Unter diesen Umständen wagte der klein-müthige Valentinian III. auf Anrathen des Senates den Versuch, durchAbsendung einer Friedensgesandtschaft an Attila von diesem zu erlangen,was er mit Gewalt der Waffen nicht zu erringen wagte. Der römischePapst Leo I. ward von ihm zu Attila gesendet, und ihm der in Behandlungvon Friedensanträgen sehr gewandte Consul Avienus und der praefectmpraetorio Tigretius beigesellt. Diese Gesandtschaft ward von Attila mitWohlwollen aufgenommen und war von grösserem Erfolge, als man er-wartet hatte. Das würdevolle Benehmen und die überzeugende Kraftder Vorstellungen des Papstes Leo L, sowie die schwierige Lage, inwelcher Attila sich befand und die ihm beim Marsche auf Born noch be-vorstand, machten ihn zu Friedensunterhandlungen geneigt, und es kamzu einem Waffenstillstände unter der Bedingung jährlicher Abzahlungenvon Tribut au ihn. Dann zog er aus Italien fort, gab aber sein Wort,dass er mit weit grösserer Macht wiederkehren werde, wenn ihm nichtHonoria mit einer angemessenen Mitgift, Gebietstheilen des römischenBeiches, ausgeliefert werde. Zum Glück aber für Italien und des West-römischen Beiches befreite Attila's Tod- sie von dem Schrecken eines er-neuten Einfalles desselben. Bei der Bückkehr in seine Stadt an derDonau , starb er plötzlich an einem heftigen Blutsturze. Nach seinemTode erhoben sich Zwistigkeiten zwischen seinen vielen Söhnen undNachfolgern, in Folge dieser Streitigkeiten theilten sich die hunnischenHorden, wurden über den Dnjepr bis zur Wolga zurückgeworfen und ver-schwanden seitdem aus der Geschichte. Das Königreich Attila's zerfielebenso rasch wieder, wie es entstanden war.

Kaum aber war Italien und das ganze Abendland von Attila befreit,so wandte der unwürdige Valentinian III., statt dem Aetius, der mehrals einmal das Keich gerettet hatte, dafür dankbar zu sein, seinen ganzenHass gegen diesen. Der niedrig denkende Eunuch Heraclius, der sich indes Kaisers Gunst eingeschlichen, verläumdete den tapferen Aerius,indem er ihn des Strebens nach der höchsten Gewalt beschuldigte. Va-lentinian berief den Aetius nach Korn, und hier, in den Gemächern seineseigenen Palastes erniedrigte er sich so weit, dass er ihm eigenhändigsein Schwert in die Brust stiess; seinem Beispiele folgten die Höflingealle, und von zahllosen Wunden durchbohrt sank der unglückliche Aetiuszu den Füssen des Kaisers todt nieder! Ein gleiches Schicksal erlitt derpraefectus praetorio Boethius, ein Freund des Aetius, sowie alle treuenAnhänger desselben (im J. 454).

Der Kriegsruhm des Aetius hatte bei seinen Lebzeiten auf mehrerenSeiten die Barbaren abgehalten, das Weströmisohe Beich anzufallen, unddadurch dessen schliesslichen Untergang aufgehalten. Nach seinem Todeaber bedrohten sie es nun doppelt heftig, weil sie überzeugt waren, dass