318 IV. Von Augnstus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
zuschliessen. Aus Furcht, dass die Ansprüche Thorismund's, welchen dieWestgothen zu ihrem Könige ausgerufen hatten, und des FrankenkönigsMeroväus die Römer der Früchte des eben erfochtenen Sieges beraubenkönnten, wusste Aetius sie Beide zu überreden, dass sie in ihre Länderzurückkehrten, um dieselben zu schützen; er selbst war auch nach ihremAbzüge noch dem Attila an Zahl gewachsen, infolge des ungeheuren Ver-lustes, welchen dieser Letztere erlitten hatte. Nach einigen Tagen folgteer dem Rückzüge Attila's zum Rhein und Hess ihn, ohne ihn anzugreifenund ungehindert über diesen Fluss gehen, von wo dann Attila längs derDonau durch Pannonien in seine Staaten zurückkehrte.
Das gänzliche Misslingen dieser Unternehmung im J. 451 erschütterteweder den Muth, noch die Macht Attila's, sondern erhöhte sie nur noch.Im J. 452 traf er mit einem neuen Heere in Pannonien und Noricum ein,verwüstete beide Lande mit Feuer und Schwert, und bedrohte Italien.Aetius, durch diesen plötzlichen Einfall geschreckt, zog sich nach Gallienzurück, Valentinian ging nach Rom.
Nach Ueberschreitung der julischen Alpen belagerte Attila Aquileja.Diese reiche Stadt, welche muthig und tapfer den Anstrengungen einesAlarich und Radagaisus widerstanden hatte. leistete dem Attila dengleichen Widerstand, da sie eine hinlänglich starke Besatzung hatte.Schon machte Attila Anstalten zur Aufhebung der Belagerung. als einZufall ihn in den Besitz der Stadt brachte, welche nun so gründlich zer-stört wurde, dass später nicht einmal mehr die Stelle aufgefunden werdenkonnte, wo Aquileja gestanden hatte. Dann setzte Attila seinen Ver-heerungszug nach Italien weiter fort, seine ganze Rache für die in Gallienerlittene Niederlage an diesem unglücklichen Lande auslassend. DieStädte Altinum, Concordia, Padua, Brescia, Verona und Bergamo wurdenin Asche gelegt, Mailand und Pavia, welche sich freiwillig unterwarfen,mussten starke Kriegssteuern zahlen. Die Einwohner der Provinz Ve-neria retteten sich auf die Inseln des Adriatischen Meeres , wo sie die inder Folge so berühmte Stadt Venedig gründeten. Attila rückte bis dahinvor, wo der Mincius in den Po tritt, hier machte er kurzen Halt, um zuerwägen, ob er auf Rom marschiren solle.
Inswischen hatte Aetius Truppen in Gallien zusammengezogen undVerstärkungen von dem Kaiser des Ostreiches, Marcianus. erhalten, undfing an, den Attila im Rücken zu bedrohen, d. h. von der Seite der juli-schen Alpen her; er schlug und vernichtete die von Attila gegen ihn aus-gesandten Streifcorps und fügte dem Heere desselben dadurch erheblicheVerluste bei. Dieser Verlust erhöhte sich noch bedeutend durch denUmstand, dass in Attila's Heere, welches in dem während des Sommerssehr ungesunden Landstrich an dem Einflüsse des Mincio in den Polagerte. unter Menschen und Pferden Krankheitsepidemieen und grosse