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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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60. Die wichtigsten Kriege und Feldzüge der Römer in dieser Periode. 31 5

trennen beabsichtige, Jim sie einzeln um so leichter zu überwinden; zumBeweise dafür sollte Avitns dem Theodorich ein Schreiben Attila's anValentinian vorzeigen. Nun entschloss Theodorich sich mit allen seinenStreitkräften die Römer zu unterstützen. Vier seiner Söhne Hess er inseinem Lande zurück, mit den beiden ältesten, Thorismund und Theodo-rich, und der ganzen waffenfähigen Mannschaft marschirte er nach Arelateund vereinigte sich mit Aetius. Der Letztere hatte indessen hierherschleunigst Hülfstruppen aus allen den Provinzen beordert, welche nichtvon Hunnen besetzt waren. Bald trafen denn auch nach und nach zuArelate ein: Meroväus mit den Franken, Burgunder, Armoriker, Läti,Ripuarier und Sarmaten, und nach Ankunft des Theodorich mit denWestgothen war unter des Aetius Befehlen ein Heer beisammen, das demAttila's an Zahl nicht nachstand.

Attila hatte sich indessen, zur Loire marschirend, schon der StadtAurelianum (h. Orleans) genähert. Hier commandirte der Alane San-giban ; aber der Bischof Arianus, der ihm nicht traute, ihn vielmehr be-argwöhnte im Einverständniss mit Attila zu stehen, traf eiligst und eifrigVorkehrungen zur Vertheidigung der Stadt, wendete sich nach Arelate,um Hülfe von Aetius und Theodorich zu erbitten, und kehrte dann nachAurelianum zurück, fest entschlossen, lieber mit der Stadt unterzugehen,als sich dem Attila zu ergeben, wenn keine Hülfe von Aetius undTheodorich käme. Bald nach seiner Rückkehr kamen unermesslicheSchaaren von Hunnen von Norden her vor Aurelianum an und griffen denauf dem rechten Loireufer gelegenen Theil der Stadt an. Aber ein drei-tägiger gewaltiger Regen hielt sie vom Sturm zurück; Arianus be-nützte diese Zeit, um Attila um Schonung der Stadt zu bitten. AberAttila wies dies hochmüthig ab, am vierten Tage schritten die Hunnenzum Sturm, fanden aber heftigen Widerstand. Endlich jedoch gelang esihnen, durch mehrere Thore zugleich einzudringen. In Bestürzung warfensich die Bewohner in den anderen Stadttheil auf dem linken Loireufer,da erschien plötzlich zu gleicher Zeit Aetius in der Stadt, gefolgt vonTheodorich. Aetius stürzte sich sofort auf die in der Stadt plünderndenHunnen und richtete ein furchtbares Blutbad unter ihnen an. Die eiligeAnkunft und Angriff des Aetius kam für Attila so unerwartet, dass er,nachdem er die aus der Stadt geworfenen Reste der Hunnen draussen ge-sammelt hatte, mit grossem Verluste an Todten und Gefangenen seinenRückzug nach Belgien antrat. Aetius und Theodorich folgten ihm ingrosser Ordnung, ohne ihn indessen anzugreifen. So gelangten beideHeere, unfern von einander marschirend, auf die weiten catalaunischenFelder [campi catalaunici, in der Gegend des h. Chälons sur Marne).Hier machte Attila auf einer wenig durchschnittenen und besonders fürdie Action seiner zahlreichen Reiterei geeigneten Stelle Halt. Beide