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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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310 IV. Von Angustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiches.

sah sich aber durch die Intriguen des Aetius und des Feldherrn Felix ge-zwungen sich zu empören, um nicht zu Grunde zu gehen. Er hobTruppen aus und leistete den gegen ihn entsandten Feldherren: Mavor-cius, Galbio, Sinöces und Sigisvult nachdrücklichen Widerstand. Si-gisvult bemächtigte sich Carthagos und Hippos. Von ihnen auf'sAeusserste in die Enge getrieben, rief Bonifacius die Vandalen aus His-panien zu seiner Hülfe herbei, indem er ihnen die Hälfte von Afrika unterder Bedingung fortdauernder gegenseitiger Unterstützung versprach.Genserich, der König der Vandalen, ein Mann von ausserordentlichenGaben, tapfer, umsichtig, allen Luxus verachtend, aber grausam, nahmden Antrag des Bonifacius an und setzte auf, von Letzterem gesandten,Schiffen mit seinen Vandalen nach Afrika über, deren Zahl, ausser denWeibern, Greisen und Kindern, sich auf 80.000 waffenfähige Männerbelief. Bonifacius trat ihm die 3 Mauretanien ab, so dass der FlussÄmpsägä die Grenze zwischen ihnen bildete.

Während solchergestalt durch des Aetius Umtriebe gegen Bonifaciusdas abendländische Reich eine seiner wichtigsten Provinzen einbüsste,den Kornspeicher von Rom und Italien, machte Aetius auf der anderenSeite diesen Schaden wieder gut. Er brachte den auf dem linken Uferdes Mittelrhein (h. Elsass) ansässigen Franken starke Niederlagen undVerluste bei und zwang sie, über diesen Fluss zurück zu gehen. Dieserwichtige Erfolg vermochte indess nicht den Einbruch der Barbaren aufanderen Punkten zu hemmen. Noch nie war das Weströmische Reichvon so vielen Seiten bedroht gewesen, als in dieser Zeit (429), nämlich :von den Franken am Rhein, den Westgothen in Aquitanien, Sueven undAlanen in Hispanien, Vandalen in Afrika, den Juthungen und anderenAlpenvölkern in Norditalien. In dieser für das Abendland so gefahr-vollen Lage konnte es Stütze und Schutz nur von Seiten der beiden be-gabten Feldherren Aetius und Bonifacius erhalten, und der Letzterewar selber zuerst zum Aufstand und Abfall gezwungen worden. Alleübrigen an den Grenzen befehligenden römischen Feldherren waren sowenig fähig und-würdig, dass die Geschichte kaum ihre Namen aufbe-wahrt hat.

Placidia, welche die Verdienste des Aetius und Bonifacius und dieUnentbehrlichkeit ihrer Hülfe für das Reich richtig erkannte und dieDienste Beider zu gewinnen wünschte, söhnte sich mit Bonifacius ausund verlangte nur, dass er das Unglück, das er über Afrika gebracht,lindern sollte. Aber alle Bemühungen des Bonifacius, den Genserich zurRückkehr nach Hispanien zu bewegen, blieben vergeblich: Genserich,der dies für eine Treulosigkeit von Bonifacius erklärte, hob den Vertragmit ihm auf und erklärte ihm den Krieg, der nun von den Vandalen mitunerhörter Grausamkeit gefuhrt wurde (430). Alles verheerten sie auf's